Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Article
- Die mittlere Pforte
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE MITTLERE PFORTE 149 am Lieblichsten der Tage, an der Ruhe des Sabbats und trotzdem springt ihm sein Töchterlein glückselig um den Hals, umarmt und liebkost ihn, wie ich es mit meinem heiligen und gottesfürchtigen Vater zu tun pflegel... Wie wenn eine Saite gesprungen wäre an der vielsaitigen Harfe, die bisher so süß und beglückend in meinem Herzen geklungen... Wie wenn die an den Himmel angelehnte Leiter, auf der ich so leichtbeschwingt auf- und niederstieg, für eine Sekunde unter meinen Füßen geschwankt hätte ... Und was das Wunderlichste für mich war: die ganze Gemeinde blickt mit kalter Gleichgültigkeit nach dem am Sabbat im Wagen vorbeifahrenden Juden und schickt sich nicht an, ihn zu steinigen. Wie es geschrieben steht: „Da fanden sie am Sabbat einen Mann, der Holz spaltete in der Wüste. Sie brachten ihn zu Mose ... und steinigten ihn zu Tode." Noch viel größer war aber meine Verwunderung, als ich hörte, wie sie alle den Förster aus diesem Anlasse zu loben begannen: „Ein großer Posche8), aber ein guter Mensch." „Er hat ein sehr gutes Herz." „Er tut gerne Gutes mit Juden." „Gestern hat er in seinen Wagen den armen, alten Juden aufgenommen, den Ajrach, der von Gyöngyös zu Fuß nach Pata unterwegs war." „Und hat ihm noch Geld gegeben." „Ja, man sagt, er ist ein Baal-Zedoko. Er gibt gerne." Ein neues, großes Problem bedeutete für mich von nun an der Förster. Eine große und unlösbare „religionsphilosophische" Frage, der ich auch später sehr oft begegnet bin und die auch die Großen und Weisen nicht zu lösen vermochten. Der Mann, der „gar nichts hält" und doch so glücklich lebt... Wir lasen von ähnlichen Fragen auch in der „Mittleren Pforte". Von dem Sünder, der glücklicher ist denn der Heilige. Und wir zitierten den Propheten Habakuk: „Warum duldest Du die Ungläubigen und warum schweigst Du. wenn der Frevler den verdirbt, der gerechter ist als er?" Und da heißt es beruhigend im Talmud: „Den, der gerechter ist als er, kann er verderben, aber nimmer den wahrhaftig Gerechlen." Eine ganz neue Seite des Lebens zeigte mir dieser irreligiöse, aber gute Mensch . .. Später hörte ich von meiner Mutter, daß die Frau Förster samt Töchterlein in unserem Laden eingekauft hat. „Eine sehr feine Frau", ») Richt'g: Potchea Süader.