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Menorah · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. Seite 148

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Article
Die mittlere Pforte
Date
1928-03-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 MENORAH sein, daß er Vegetarier sei. Davon hatten wir schon damals gehört. Ja, wir wußten sogar von einem chassidischen Rebben, der sich des Fleischgenusses enthielt und nur zu Ehren des Sabbats und der Festtage einen Bissen Fleisch aß. Der Förster ließ aber auch für Sabbat nicht schlachten. Ganz sicher waren wir unserer Sache aber erst, als wir Sabbat zu Mittag aus der Schul' kamen und auf der staubigen Landstraße der Förster in einem prachtvollen Wagen an uns vorbeifuhr. Mit geblendeten Augen blickten wir Kinder dem dahinsausenden Gefährte nach und waren fest überzeugt, daß sich die Erde, noch bevor der Förster zur Böschung gelangt, unter ihm auftut und wir Zeugen eines neuen Korachwunders sein werden. Mit gespannten Blicken sahen wir dem Wagen nach, jedoch das Wunder blieb aus. Der Förster kehrte oben am Ufer in den Meierhof ein, sprang behend vom Wagen, sein sechsjähriges Töchterlein lief ihm entgegen, schlang sich an ihm empor und überschüttete ihn mit Küssen. Ich begriff die Sache nicht... Wie war das möglich? Wir kommen aus der Schul', wo wir den ganzen Vormittag Schacharis und Mussaf gebetet hatten. Aus der Thora verlas man den Wochenabschnitt und wir hörten zu, was erlaubt und was verboten sei. Die Erwachsenen gingen einer nach dem anderen zur Thora und wir blickten neidvoll insbesondere auf den „Hagbe", der mit sehnigen Armen die schwere Thorarolle aufhob, um sie in der Luft aufgerollt und gewendet den Anwesenden zu zeigen: „Dies ist die Thora, die Moses vorgelegt hat den Kindern Israels." Und ich hatte das besondere Glück, daß mir die „Gelilah", das Einwickeln der Thora, anvertraut wurde. Man hob mich auf, damit ich der Thora das goldgestickte Samtmäntelchen, das ich andächtig küßte, umhängen könne. An Stelle der werktäglichen „achtzehn Bitten" erflehten wir uns heute gar nichts, wir freuten uns nur mit der Gabe Gottes, dem heiligen Sabbat. „Und Du hast ihn nicht gegeben, Ewiger, unser Gott, den Völkern der Erde, und Du unser König, hast ihn nicht verliehen den Götzendienern und seiner Ruhe werden auch nimmer teilhaftig die Frevler. Denn Du hast ihn liebevoll gegeben dem Samen Jakobs, Deinem Volke Israel, das Du auserkoren hast.4' „Den lieblichsten der Tage hast Du ihn genannt . .." Und hier an der Schul* fährt am Sabbat ein Jude vorbei, ein Nachkomme Jakobs, kommt aus dem Walde, wo er seine tägliche Arbeit verrichtet hat, kutschiert nun zufrieden, heiter, wohlgelaunt nach Hause und hat keine Angst, daß ein Blitz aus dem Himmel fährt oder Feuer aus der Erde emporzüngelt und ihn samt Wagen und Pferden verschlingt. Er hat keinen Anteil

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