Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Article
- Die mittlere Pforte
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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146 MENORAH unser Gott und Gott unserer Väter, und Deinen Namen zu preisen auch nur für eine einzige von den vielen tausenden und abertausenden und myriadenfachen Bezeugungen Deiner Gnade, die Du unseren Vätern und uns bewiesen.. ." Und dieses Gebet hob uns gleichsam auf Schwingen empor, Große sowohl wie Kleine. Bei stürmischem Wetter oder an Werktagen kam es aber vor, daß sich nur neun Männer in der kleinen Schul' versammelten. Ich will's aufrichtig gestehen, das war meine größte Freude. Nicht etwa, weil ich schadenfroh gewesen wäre. Keinesfalls konnte ich froh werden über die Vereitlung einer „Mizwah". Im Gegenteil. Die Quelle meiner Freude war der Umstand, daß mir hieraus eine für die Großen bestimmte Aufgabe erwuchs, indem ich „Zeruf" wurde. Was das heißt? Es ist eine Kleinigkeit. Man kann es vielleicht mit dem Wort „Ersatz" verdeutschen. Ich ersetzte einen Mann, den zum Minjan notwendigen Zehnten. Dies geschah in der Weise, daß man mir einen großen Folianten, Bibel, Talmud oder Gebetbuch, unter den Arm drückte, wodurch ich einfach ■v 7 7 zum „Großen" befördert wurde. Mit dem Buche in der Hand galt ich als dreizehnjährig, obgleich ich dem Alter nach kaum die Hälfte eines „Bar-mizwah" war. Das war dann ein Vergnügenl Wenn der Mensch, oder sagen wir das Menschlein, sich plötzlich um zwei, drei Köpfe höher vorkommt. Wie wenn sein Hals um die Länge des Heiligen Buches gewachsen wäre, das er so stolz unter den Arm preßt. In solchen Fällen kam es vor, daß mir auch sonstige, den Großen gebührende Ehren zuteil wurden. In die Namensliste des „Mischeberach", die alle enthielt, auf die die zur Thora Aufgerufenen den Segen herabflehten von Dem, „der unsere Väter Abraham, Isak und Jakob gesegnet hat" — wurde auch mein Name eingereiht. Und ich hörte mit Stolz zu, wie Beb Scholem rasch, aber doch verständlich herunterleierte: „w'es hajeled Jossef" — „und den Knaben Josef". Und ich war überzeugt, daß man auch oben auf den Text des Mi-scheberach genau aufpaßt und wenn Reb Scholem nach „w'es..." eine kleine Pause hält und sein Auge prüfend umherschweifen läßt, ob er nicht jemanden aus der Gemeinde übersehen habe, auch im Himmel eine Weile gewartet wird, wer denn in das Buch des Segens noch einzuzeichnen sei. Und da auch im Himmel, ebenso wie auf Erden, Sabbat ist, dürfte es auch oben so vor sich gehen wie hienieden bei der Verbuchung der beim Segen gespendeten Chaje-Zal-Heller, indem die Engel, statt einzuschreiben, durch das Einbiegen je einer Blattecke den soeben verklungenen Namen unter den vielen Millionen Namen