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Menorah · 1928-02-01 · Heft 2 (Februar 1928) · p. Seite 127

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 2 (Februar 1928)
Article
Die ersten Statuten für das Bethaus der Israeliten in Wien
Date
1928-02-01
Page
Seite 127 (sequence 3)
Language
German
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1)11-: ERSTEN STATUTEN FÜR DAS RETHAUS 127 jedoch Geschichte. ..Dieses historische D o k u in e ii 1", sagt Wachsteiii mil Rec ht in seiner genannten Studie, ..widerspiegelt die politische Stellung der Wiener Judenschafl und die sich in ihr seit der Mille des 18. Jahrhunderts geltend machenden kulturellen Strömungen". Mannheimer, der Religionslchrer und Prediger jener Zeit, war —- nach Wachstein — „der Verfasser jenes Teiles der Statuten, der sich auf das Geistige bezieht. Das gehl schon aus dem Stile hervor". 71 Juden haben als Urheber und Gutheißer" — wie sie Wachslein nennt — oder wie es offiziell heißt — als: „Die Vertreter und Repräsentanten der isr. Einwohner Wiens" die Statuten unterzeichnet. Männer von Namen und Rang und einfache Leute, Juden mit Adelsprädikat, Edle, Ritler von und simple Bürgerliche, große Finanzmänner und große Wohltäler, Kaufleu le, Börsensensale, Spitalsverwaller und schließlich auch ein Reslauraleur und Weinschänker. Das Stabil durften nur Tolerierte und selbständige Aufenthallsberechtigte unterzeichnen. Daß es so viele Unterschriften trägt und nicht, wie in unserer Zeit üblich, bloß die winzige Zahl eines kleinen Proponenlenkomilees, beweist, daß man sich bemühte, auf dem Statut die Unterschriften alle r dazu Berechtigten zu vereinigen. Dennoch haben mehr als 40 von ihnen nicht unterschrieben. Wachsteiii hat ihre Namen am Schluß seiner Studie zusammengestellt. Warum deren Unterschriften fehlen? ,.Das erste, woran man als Ursache denkt, ist die zufällige Orlsabwesenheit. Aber auffallen muß das Fehlen der Unterschriften der zwei gesellschaftlich höchstslehendcn Juden des damaligen Wien, der Freiherren N. A. von A r n s t e i n und Bernhard E s k e- 1 e s. Haben sie, deren Kinder getauft waren, es nicht für taktvoll gefunden, ein Werk gutzuheißen, das ..vorzüglich um der Jugend willen" geschaffen wurde? . . . Karl Zappert, Großhändler und Abkömmling einer bedeutenden Familie, hat seine vier Söhne der Taufe zugeführt. Bei drei aus Brody stammenden Tolerierten wird man eine abweichende Anschauung über den neuen Gottesdienst anzunehmen berechtigt sein. Bei den Mitgliedern der Familie Kaspar Kohn dürfte der Grund in dem Festhalten an ihrem eigenen Bethause liegen." So versucht Wachstem das Fehlen der gedachten Unterschriften zu erklären. Uns erscheint jedoch diese Tatsache und die gewiß richtige Erklärung auch als ein Beweis dafür, wie sehr recht die Statuten haben, wenn sie in der Einleitung sagen, daß, wie bereits oben erwähnt, der Gottesdienst immer mehr sank und das Band der Eintracht und der Anhänglichkeit immer lockerer ward. Krise! D i e Statute n z u erneuter B e- (I e u t u n g, zu eine in bist o ri sehe n D o k u m e n t f ü r d i e M i tu n d N a c hw eil erhob e n u n d u n s m i t den F ii h r e r n der d a m a 1 i g e n i s r a e 1 itischen Ein w ohne r WT i e n s v e rt traut g e m acht z u h a b e n, ist ein u n b e s t r i t l e n e s V e r dienst de r F o r s c h u n g W a c h s t c i n s. Er hat mit wissenschaftlicher Gründlichkeit das ganze Material über die Einundsiebzig zusammengetragen und gute biographische Skizzen über dieselben entworfen. Sie füllen 26 Folioscilen in Druck. Literatur und Quellenangabe ist überall dabei, Freilich unterstützte ihn bei seiner Studie eine andere weit größere Arbeit, die er vor zehn Jahren vollendet halle: .,D i e I n s c Ii r i f t e n des alte n J ud e n f r i e d h o f e s i n W i e n" (2. Teil). Vielleicht haben die besprochenen Statuten auch in dem Sinne historische Bedeutung, daß sie den damaligen Juden Wiens nicht mehr neues vorschrieben. Sie registrierten und sanktionierten bereits bestehende Zustände und' Bräuche. Sie sind also nicht, wie andere Statuten erst die F o rm für einen Inhalt, der erst gescha (Ten werden sollte. Nein: die Statuten erschienen drei Jahre nachdem das, was sie regeln, bereits im Leben stand und dessen ,,Zweckmäßigkeit, wie es in den Statuten heißt, bereits erprobt war". Sie mußten aber geschrieben wer-

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