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Menorah · 1928-02-01 · Heft 2 (Februar 1928) · p. Seite 126

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 2 (Februar 1928)
Article
Die ersten Statuten für das Bethaus der Israeliten in Wien
Date
1928-02-01
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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126 M E N O R A II und der Anhänglichkeit immer lockerer" wurde. II. Krise, schwere Krise. Das Judentum hatte mindestens jedes Jahrhundert seine Krise. Das Judentum als geistig-religiöse Polenz und als ethische Weltanschauung mehr denn als nationale Gemeinschaft. Solche bedrohliche Krisen gefährdeten den Bestand dieses Judentums zur Zeit des Arnos wie des Jesaia, unter Esra und Nehcmia, später im Zeitaller der Makkabäer und schließlich auch fast in jedem Säkulum nach dem Untergang des jüdischen Staates in allen Ländern der Diaspora, nicht nur in Wien anno 182G. Sind also Krisen unerläßlich? Bedeuten sie notwendige Etappen im Sinuc der allherrschenden Evolution? Sind sie vielleicht sogar der Ausdruck eines lebendigen und lebensslarken Organismus in seinem Entwicklungsprozeß nach aufwärts? Haben seine inneren geistigen und religiösen Krisen dem Judentum Läuterung und Festigung gebrachI? Die jüdische Geschichte gibt Antwort auf diese Fragen und es ist nicht schwer festzustellen, daß das Judentum aus seinen Krisen — wenn sie zur rechten Zeit erkannt wurden — immer noch lebensfähig hervorging, ja sogar noch mit erhöhtem Lebenswillen. Und aus dem Schöße des Volkes, des zähen Trägers dieser Geistigkeit, gingen immer in den entscheidenden Augenblicken Männer hervor, die mit absoluter Unhedingtheit der Krise und* dem drohenden Niedergang entgegentraten und durch die hohe Ethik ihres eigenen Lebens, wie durch die hinreißende Kraft ihrer Begeisterung den unversehrten Teil des Volkes von neuem dazu fähig machten, Träger und Bewahrer des Judentums in seiner Reinheit und Echtheit zu werden. Sind diese Männer, die Propheten und andere Führer, nicht schon allein Beweis genug für die unversiegbare Lebenskraft des jüdischen Volkes? Denn große Führer erstehen nur organisch aus dem intensiven, aufwärtsstrebenden und der Eigenart adäquaten Leben eines Volkes. Auch die innere Krise um 1826 fand die Männer, die sie erkannten und meisterten. Und „nach dem Rausch der Aufklärung begannen", wie Dr. Wachstem in der Einleitung zu seiner wertvollen Studie sagt, „innerhalb der Judenheit die alten bist o r i s c h e n Kräfte wieder wirksam zu werden". Man sah ein, daß die jahrtauscndlangen Opfer nicht auf Grund einer Wahnidee erfolgten und sann auf Mittel, um die junge Generation dem Judentum zurückzugewinnen. Und aus dem Schöße der Gemeinde gingen die ,,führenden Männer" hervor, um der Kri.se in den Weg zu treten. So errichteten sie denn in Wien ein großes sichtbares Zentrum des Judentums, das Gotteshaus in der Seilenslellengasse. entsprechend der allgemeinen Tendenz, „die Gotteshäuser in ihrer Würde und Feycrüchkeit herzustellen", und die Mehrheit der Führer war von der historischen Gegebenheit durchdrungen genug, der Forderung der Regierung und einer jüdischen Minderheil auf Einführung eines ,.Gottesdienstes mit deutscher Gebelsprache" nicht nachzugeben. Drei Jahre nach der Erbauung des Tempels wurden am Chol-ha-Moed des Pessachfestes 1829 die Statute n öffentlich verlesen und ihnen auf diese Weise bindende Kraft. Gesetzeskraft für die israelitischen Einwohner, verliehen. III. Statuten. Was gelten Statuten in unserem bis ins kleinste Detail und oft bis zum Überdruß organisierten Leben? In irgend einem Fach oder irgend einer staubigen Ecke schimmeln sie, ohne bei ihrer Abfassung schon mehr bedeutet zu haben als die Erfüllung einer formalen Pflicht gegenüber einem lästigen Gesetze. In unserem Zeitaller sind Statuten selten mehr als leere Schablone, sagen sehr wenig der Mitwell und werden meist ebenso inhaltslos sein für die, die nach uns kommen werden. Die „Statuten für das Bethaus der Israeliten in Wien" de dato 18. März 1829 sind

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