Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1928)
- Article
- Kunst und Gemeinde
- Date
- 1928-02-01
- Page
- Seite 119 (sequence 2)
- Language
- German
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KUNST UND GEMEINDE 119 Prof. Oskar Strnad / Modell für das neue Theater in Amsterdam hüben die verschiedensten Körperschaften eine überaus stattliche Kette von Synagogen, Lehrstätten und Waisenhäusern, Anstalten der Hygiene und Fürsorge errichtet, ungezählte Geldsummen sind dafür ausgegeben worden, ungezählte Lebenskräfte — Köpfe und Herzen gemeinnütziger Menschen sind dafür tätig gewesen — und doch ist aus so vielen menschlich schönen Bemühungen auch nicht ein Werk hervorgegangen, das einen höheren, dauernden Kunstwert besäße. Die edle Würde von hundert Jahren religiöser und humaner Bewegung des Wiener Judentums ist auch nicht von einem dieser Werke umgesetzt worden in eine angemessene Würde der Kunst. Aber vielleicht liegt das nicht an den Juden, sondern an der Kunst ihrer Zeit. Damit ergibt sich als zweite Frage: In welchem Verhältnis stehen unsere Bauwerke zur Baukunst des Jahrhunderts? Die Errichtving des Tempels in der Seitenstettengasse fiel in die Zeit des Überganges vom Empire zum Biedermeier. Und Kornhäusel war gewiß ein besonders begabter Meister dieses Überganges. Aber er war — wie sie — weder stark noch groß. Er betrieb eine Art bürgerlicher Antike. Und so ist auch sein Tempel geworden. Schlimmer noch war, daß er weder den Willen noch die Fähigkeit hatte, sich in jüdisches Wesen einzufühlen. Am schlimmsten, daß auch die jüdischen Bauherren das nicht einmal gewünscht haben. Denn sie wünschten einen Tempel ä la mode. Eine Synagoge, die auf eine noble, festlichheitere Weise dem Allerwcltswesen tunlichst angepaßt sei und — um Himmels willen — keinen Gedanken an das Ghetto aufkommen lasse.