Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1928)
- Article
- Kunst und Gemeinde
- Date
- 1928-02-01
- Page
- 118 (sequence 1)
- Language
- German
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KUNST UND GEMEINDE In wenigen Tagen wird die neue Anlage des Wiener Judenfriedhofes fertig sein und — ohne Zweifel — mit besonderen Feierlichkeiten eröffnet werden. Denn es ist ja nichts Geringes, was da seiner Vollendung entgegengeht. Kaum alle fünfzig Jahre bietet sich der Baukunst und der Pietät eine Gelegenheit von gleicher Bedeutung. Auch wir wollen dabei sein, um das Unternehmen nach seiner ganzen Größe zu beleuchten. Freilich von einem anderen Standpunkt und in einem anderen Sinn als diejenigen, die für das Werk die Verantwortung tragen. Aber darum nicht weniger eindringlich. Denn wir halten diesen Anlaß für so wichtig, daß wir alle reinen schöpferischen Kräfte, die gegenwärtig in der Wiener Baukunst tätig sind, aufrufen wollen, damit sie freimütig und vor aller Öffentlichkeit zur Sache sagen, was zu sagen ist. Nämlich: wie es hätte werden sollen und wie es geworden ist. Um nun diese Kundgebung, von der wir uns für die Zukunft des jüdischen Kunstbetriebes viel Nützliches oder gar einen völligen Umschwung versprechen, gründlich vorzubereiten, soll heute erörtert werden: warum es so kommen mußte, wie es gekommen ist. Wir schicken also eine allgemeine Betrachtung voraus. Man darf Dinge von solcher Tragweite nicht wie ein Kleinkrämer aus beklemmender Nähe beurteilen, sondern man wird sie aus jener Distanz betrachten müssen, die allein den Blick aufs Ganze ermöglicht. In dieser Distanz aber erscheint die Geschichte des neuen Friedhofes nicht als Einzelfall, sondern als Symptom und nicht etwa als ein Akt persönlicher Willkür, sondern als einer der sozialen Notwendigkeit — folgerecht hervorgegangen aus einem Jahrhundert jüdischer Kunstgesinnung. Es wäre fahrlässig, diesen tieferen Zusammenhang nicht aufzudecken. Denn selten nur wird ihn die Mitwelt so klar erkennen als im heutigen Augenblick. Die erste Frage lautet: Was hat die Organisation des Wiener Judentums in den hundert Jahren seit der Aufrichtung des Stadttempels an Kunstwerken der Architektur hervorgebracht? Auf diese Frage kann es leider nur eine Antwort geben: nichts. Wie, es soll in diesem ganzen langen Zeitraum nichts „für die Kunst" geschehen sein? Im Gegenteil. Prüft man die Leistungen, die in dieses Feld gehören, auf ihre Zahl und ihr Ausmaß, dann wird man sie aufrichtig bewundern müssen. Mit einem Eifer, einer Opferwilligkeit ohnegleichen