Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1928)
- Article
- Das Judenviertel
- Date
- 1928-02-01
- Page
- 107 (sequence 3)
- Language
- German
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derer Zeitgeist mil entsprechenden Anforderungen umstoßen. Je weniger alte Vorurteile zu beseitigen sind, um so leichter ist eine modifizierte Ansiedelung durch zu führen, deren Erfolg eben wiederum nur durch Gewallmaßnahmen, Assanierung, völlig gesichert werden kann. Allein dieser Hinweis mag die ungeheuere Schwierigkeit des Problems beleuchten, unter dessen Folgen jede menschliche Wohngemeinschaft leidet, wenn nicht unter besonders günstigen Umständen ein völliger Exodus die lokalen Schwierigkeilen umgehl. Wenn dieser Ausweg für die Judensiedlung fast nie in Form von Freizügigkeit geschehen konnte, so lag dies an der Objeklselzung, die auch andere Gemeinschaften zu geschlossener Auswanderung trieb. Nachzuprüfen, wie weit alle jüdischen Wanderungen als Zwangshandlungen anzusehen sind, überschreitet den Rahmen dieser kurzen Skizze. Es genügt, auf die Wanderlust und den klaren Blick für reale Möglichkeilen bei den .luden in Geschichte und Gegenwart hinzuweisen, um hier Zwang und Eigenwillen vorsichtiger gegeneinander abzuwägen, als es bisher off geschah3). Ein Cberprüfen der Judrnsiedlungen der Vergangenheit setzt jedoch eine Anzahl grundsätzlicher Gesichtspunkte voraus, die in folgendem kurz skizziert weiften sollen. Jede Siedlung und ganz besonders die Judensiedelungen haben eine längere Geschichte, deren Phasen voneinander getrennt werden müssen. Soweit es irgend angeht, muß mit Hilfe des wissenscha filichen Rüstzeuges, Urkunden forschung, Spaten, Karlen, Rilder, örtliche Traditionen, an dem meist uneinheitlichen Augenfälligen eine Aufteilung vorgenommen werden. Noch benutzte, noch bestehende und die Reste ehemaliger Judenvierlel sind für sich getrennt und, soweit möglich, nach ihren Entslehungsphnsen innerhalb dieser Aufteilung gesondert zu behandeln1). Gewisse Anhaltspunkte hissen sich aus der Enge im Orle gewinnen, die dann historisch auszuwerten wären. Je nachdem, ob die Nähe einer geistlichen oder einer welllichen Residenz, die des Klosters, der Kirche oder fies Marktes, be- Kassel: JLidengasse ziehungsweise des Hafens nachzuweisen wäre, werden die Spuren anders verlaufen. Auch der Name und die Art (Heer-, Haupt- oder Nebenstraße) der angrenzenden oder durchlaufenden Verkehrswege können Gesichtspunkte erölTnen, die über die rechtliche, politische oder ökonomische Zugehörigkeil der Juden