Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1928)
- Article
- Das Judenviertel
- Date
- 1928-02-01
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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106 MENORAH Toledo: Jüdisches Haus aus dem XIV. Jh. (Befestigt und fast ohne Fenster j Erbaut ron Samuel Abulafia 132 muß die Betrachtung in eine Scliauermär von finsteren Ghellis ausklingen, die jede vernünftige Stellungnahme von vornherein beeinträchtigt. Selbst den großen Vorteilen einer geschlossenen Judensiedlung und ihren zahlreichen Analogien bei anderen Gemeinschaften gegenüber muß diese apologetische Einstellung notwendigerweise unzugänglich bleiben. Der Vorteil, eine religiöse Gemeinschaft zur besseren Aufrechlerhaltung ihrer Riten, die ja im Judentum einen ziemlich großen Umfang haben, geschlossen anzusiedeln, liegt auf der Hand. Schon der Vergleich mit den zum Beispiel rituell viel weniger gebundenen englischen oder holländischen Christen zeigt die Allgemeingülligkeit dieser Beobachtung, die sich übrigens in gcmischtreligiösen Städten, zum Beispiel Katholiken und Protestanten, ebenfalls erweisen läßt. Ein weiterer Vorteil liegt in der Möglichkeit, sich in Zeiten der Not Schutz und Milfe angedeihen zu lassen, im täglichen Leben, falls berufliche Gleichheil vorhanden ist, sich zu stützen, beziehungsweise gemeinsam zu arbeilen. Zahlreiche Analogien angefeindeter, beziehungsweise gleichberuflicher Glaubensgemeinschaften lassen auch hier die Allgemeingültigkeil des Resultats als Notwendigkeit erhärten; damit verlieren Mauern und Tore des (diettos ebenso den Charakter der reinen Schikane wie die Absonderung den Charakter der Zwangsmaßnahme. Vergleicht man die feslungsarlige Gestallung einzelner Stadtteile oder größerer Einzelanwesen, so findet man den uns heute ziemlich ungeläufigcn Grund der seltsamen Abschließungen von Juden gegen Nichtjuden1). Absonderungen gleicher Berufsaiien entsprechen so sehr dem inneren Bedürfnis, daß sie in der modernsten Gegenwart nicht aufgehört haben, in Zeiten zünftiger Gebundenheit jedoch durchaus dem Zeitempfinden entsprochen haben müssen2). Beengung in der räumlichen Ausdehnung jedoch hat allerorten und bei allen Siedelungen seinen Hauptgrund in dem Wunsche nach einer möglichst großen Ausnutzung der Grundstücke, deren Wert in aus Gründen der Sicherheit ummauerten Städten wegen der Behinderung weiterer räumlicher Ausdehnung ins Ungemessene sieigen mußte. Keine der überlieferten Anklagen kann über die inneren Notwendigkeiten hinwegtäuschen, die zur Schaltung gesonderter Judensicdlungen mit allen daraus sich ergebenden Mängeln führen mußten. Unfähige oder rüchständige Verwaltungsbcamle konnten nur vorhandene Reibungsflächen verschärfen, beziehungsweise zu Erpressungen ausbeulen; die Grundlagen der Siedelungsideen konnte erst ein völlig an- -1360)