Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1928)
- Article
- Ljuba Fiedler
- Date
- 1928-02-01
- Page
- Seite 96 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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96 MENORAH es mußten einige Leute sein. Nun waren sie im ersten Stock, jetzt im zweiten; sie kamen näher, Sporen klirrten . . . „Also doch!" dachte sie voll Schrecken und weckte die Freundin: „Marfa, ich glaube, zu uns.. , Die Kratowa erwachte erst, als die Schritte anhielten und an die Tür geklopft wurde. „Wer ist da?" fragte Ljuba. „Ein Telegramm!" kam es zurück. Die Kratowa war emporgefahren und sah sich mit weit aufgerissenen Augen nach allen Seiten um, als wollte sie sich klarmachen, was vorging. Als sie das Wort „Telegramm" hörte, begriff sie alles und kleidete sich hastig an. Das Klopfen an der Tür wurde stärker. „Geduld, wir ziehen uns an", rief die Kratowa. „Wir brechen die Tür auf oder schießen! Sofort öffnen!" Das Rütteln an der Tür wurde so heftig, daß nichts übrig blieb als zu öffnen. Ein Gendarmerieoffizier trat ein, mit ihm einige Polizisten und der Portier. Im engen Zimmer wurde es noch enger. Die Revision begann. „Ich werde verhaftet!" ging es Ljuba durch den Sinn. „Das ist ein Ende oder wenigstens eine Änderung! . . ." Und doch klopfte ihr Herz, ihr Gaumen wurde trocken und rauh und auf die übliche Frage, wer sie sei, antwortete sie mit zitternder heiserer Stimme. Die Kratowa dagegen antwortete gelassen und klar und nur ihre weitaufgerissenen Augen verrieten ihre Erregung. Der Offizier hatte nicht lange zu suchen: in der Tischlade fand er bald einige Broschüren, blätterte die Hefte durch, las die Titel und wandte sich lächelnd an Ljuba: „Da haben wir ja, was wir suchen!" Dabei strich er langsam seinen Schnurrbart. „Wem gehört das?" Seine Stimme klang rauh und hart: „Mir!" wollte Ljuba antworten, doch — sie schwieg; sie fühlte, wie sich das Wort auf den Lippen formte, doch sie brachte es nicht hervor. Da hörte sie, wie die Kratowa klar und fest sprach: „Das gehört mir." „Gut!" antwortete der Offizier. „Sie will alles auf sich nehmen und mich so befreien!" durchblitzte es Ljuba. „Nein, das darf nicht sein, auf keinen Fall!" Sie stand starr da, stierte auf die Gruppe im Zimmer und bemühte sich, etwas zu tun. „Das gehört also Ihnen, Kratowa!" sagte der Offizier. „Und was besitzen Sie an derlei Sachen, Fiedler? Geben Sie es lieber gleich her, so ersparen Sie uns das Suchen. Schade um die Zeit!"