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Menorah · 1928-02-01 · Heft 2 (Februar 1928) · p. Seite 83

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 2 (Februar 1928)
Article
Ljuba Fiedler
Date
1928-02-01
Page
Seite 83 (sequence 13)
Language
German
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LJUBA FIEDLER 83 IVlach' mir keinen blauen Dunst vor, Alexander. Ich weiß schon, was hinter deinem Jch will nicht heiraten' steckt. Warum tust du so geheimnisvoll? Sag' es mir, ich bitte dich: wann werde ich die Ehre haben, deine Zukünftige kennenzulernen? Du wirst mich doch mit ihr bekannt machen?" So sprach Frau Sonja, Dr. Weinsteins Schwägerin, eine schöne junge Frau, brünett, mit hellblitzenden Augen und typisch jüdischem Schnitt des Gesichtes. Obwohl sie zu Hause war und es keinen Gast gab außer ihrem Scrrwager, war sie doch ein wenig kokett gekleidet; ihre Bluse war tief ausgeschnitten, um den zarten Hals schlang sich ein dunkelrotes Band, in den Ohren saßen große Boutons und an den Fingern blitzten einige Ringe. Sie lächelte und zeigte dabei ihre schmalen weißen Zähne. „Was fällt Sonja ein? Wer hat das gesagt?" protestierte Dr. Weinstein. Seine Schwägerin duzte ihn stets; er aber tat das selten. Gewöhnlich sprach er sie weder mit „Du", noch mit „Sie", sondern beim Vornamen an. ..Alexander, ich bitte dich, halte mich nicht zum Narren. Ich bin dir doch nicht ganz fremd. Ich möchte meine zukünftige Schwägerin kennen lernen! Wie? Schämst du dich vielleicht oder hast du Angst, man könnte dich an dieser Heirat hindern? Nein! Du mußt mich mit ihr bekannt machen, du mußt, du mußt!" Dabei schlug sie mit ihrer runden, kleinen Hand zweimal auf den Tisch, lachte und zeigte ihre schönen Zähne. Dr. Weinstein antwortete nicht. Er sah nach ihrer Hand und fragte: ,,Ah! Sonja hat einen neuen Ring! Darf ich sehen?" Sie hielt ihm die Hand hin und streckte ihm einen runden fraulich-vollen Finger entgegen, an dem ein lichter Stein funkelte. ..Du gehst in unserem Hause wie ein Fremder umher! Du weißt gar nicht, daß Jefim" — das war ihr Mann, Weinsteins Bruder — „den Prozeß gegen Grzopiorka gewonnen hat, 7800 Rubel samt den Kosten! Er hat versprochen, mir diesen Stein zu kaufen, wenn er den Prozeß gewinnt. Dich interessiert gar nicht, was bei uns vorgeht; ein schöner Bruder!" ,,Da ist der Beweis, daß es mich doch interessiert!" entgegnete er scherzend und steckte ihr den Ring wieder an den Finger. ,,Ich habe sofort Sonjas neuen Ring bemerkt. Wieviel Ringe sind es schon? Zählen wir einmal! Bald, glaube ich, werden mehr Ringe da sein als Finger!" ..Hör' auf mit den Scherzen, Alexander. Ich weiß — du bist ein ge-

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