Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1928)
- Article
- Jüdische Kunstfeindlichkeit
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 5)
- Language
- German
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5G MENORAH unmöglich und alle Versuche entsprechen der Beschreibung genau — sind unter sich aber unglaublich verschieden. Sie stimmen eigentlich nur darin überein, daß der Tempel aus den drei Räumen Vorhalle (Ailam), Heiliges (Hekal) und Allerheiligstes (Debir) bestand, die in einer Richtung hintereinander aufgereiht waren und daß vor dem Eingang die zwei ehernen Säulen Jachin und Boas errichtet waren. Beschäftigt man sich mit diesen Angaben genauer, so kommt man zu der Einsicht, daß sich in dieser Raumanordnung ägyptische und hettifische Baugedanken zu einem Neuen verschmolzen. Dieser neue Baugedanke enthält schon — und das ist eine künstlerische Großtat des .ludentums von fast unbekannter Bedeutung — im Grundriß und Querschnitt jene Elemente, die für den Kirchenbau des Christentums bestimmend wurden: Vorhalle, Schilf und Chor in basilikaler Anordnung, das heißt, daß das Mittelschiff höher als die Seiten war und sein Licht von oben her erhielt. So entstand gerade im Tempel Salomos aus verschieden Anregungen ewas eigenartig Neues. Kunst u n cl G o 11 e s cl i e n s t Bezeichnend für alle jüdische Kunstübung bleibt ihr enger Zusammenhang mit dem Gottesdienst. Damit ist aber wiederum n i c h t s s p e z i f i s ch T ü d i s c h e s festgestellt. Die meiste Kunstübung historischer Zeil bei allen Völkern und Menschengruppen zeigi in ihrem Ursprung enge Beziehungen zum Gottesglauben. Denn der Zusammenhang bildender Kunst mit dem wichtigsten und bedeutsamsten Kulturinhalt ist stets und überall ein inniger. Ein Altmeister vorgeschichtlicher Kunst- und Kultlirforschung, Moritz Hoemes, hat für jene frühen und deshalb eben verhältnismäßig einfachen Verhältnisse schon den Nachweis erbracht, daß die Kunstübung der vorgeschichtlichen Menschen verschieden ist. je nachdem es sieh um Kunstgebilcle nomadisierender Jägervölker oder seßhafter Ackerbauer handelt. Und zwar ist dieser Unterschied tiefgreifender als Volks- oder Rasseneigenlümlich keilen... Gerade das wird im Hinblick auf alle folgende Kunstbelätitung wichtig: denn so zeigt sich schon bei den verhältnismäßig einfachen Kulturzuständen der Urmenschen das gleiche, was sich in aller Folgezeit bestätigt: daß jegliche Kunst nach Inhalt und Form wesentlich mitbestimmt wird von dem allgemeinen Kulturinhalt der betreffenden Menschengruppen. Wo, wie zum Beispiel im Judentum, frühem Christentum oder Buddhismus, der Gottgedanke im Mittelpunkt der Kultur steht, knüpft folgerichtig auch die bildende Kunst an eben diesen Mittelpunkt an, steht namentlich die Baukunst als die mit der