Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1928-01-01 · Heft 1 (Januar 1928) · p. Seite 49

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 1 (Januar 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-01-01
Page
Seite 49 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2912821-2912879-2912881-2921365--06123-2921475
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

VOM NIL ZUM JORDAN 49 wo wir uns treffen könnten. Seinen Namen und seine Geschichte kannte ich natürlich sehr gut; ich hatte ihn zwar persönlich nicht kennengelernt, aber in Rom, noch vor meiner Abreise nach Ägypten, sagte mir einmal der russische Schriftsteller Amüteatrow: „Wissen Sie, wer sich für den Zionismus stark interessiert? Rutenberg. Er sagt, daß die Einmischung der Türkei in den Weltkrieg den Juden eine goldene Gelegenheit bietet — und er trägt sich mit wichtigen Plänen herum. Er verfügt hier über große Verbindungen in Regierungskreisen und auch in Frankreich und ich glaube, daß er mit den Verhandlungen schon begonnen hat." Ich bestellte sofort Trumpeldor zu mir und sagte ihm: „Ich reise ab. Wenn General Maxwell seine Meinung ändern und eine wirklich kämpfende Legion gegründet werden sollte, komme ich zurück. Sonst werde ich andere Wege suchen, um unseren Plan zu verwirklichen." Einige Tage darauf verließ ich Ägypten, verbrachte eine Woche in Griechenland (meine Zeitung wollte Venizelos' Standpunkt kennenlernen, der damals demissioniert hatte, aber dieser Schlaufuchs empfing mich mit noch einem Dutzend fremder Korrespondenten und versicherte uns, daß er überhaupt an nichts denke und nur ein wenig ausruhen wolle) und Mitte April traf ich in dem italienischen Hafen Brindisi mit Pinchas Rutenberg zusammen. Dort erreichte mich auch ein Telegramm von Trumpeldor: „Maxwells Vorschlag akzeptiert." Ich schreibe keine Geschichte — ich schreibe persönliche Erinnerungen. In Gallipoli war ich nicht, deshalb kann ich hier von Trumpeldors Legion nicht sprechen. Dies aber muß ich zugeben: Trumpeldor war im Recht, nicht ich. Diese sechshundert „Mauleselführer" haben ohne Lärm eine neue Epoche in der Entwicklung der zionistischen Möglichkeiten eingeleitet. Bis daher war es schwer sogar mit wohlgesinnten Politikern über den Zionismus zu sprechen. Wer konnte sich in einer solchen Zeit für Kolonisation oder hebräische Kultur aktiv interessieren'? Das alles lag „außerhalb des Gesichtsfeldes" der damaligen politischen Welt. Aber die kleine Legion durchbrach diese Mauer und drängte sich in dieses zauberhafte Gesichtsfeld hinein. Alle europäischen Zeitungen sprachen über sie. Fast alle europäischen Kriegsberichterstatter in Gallipoli widmeten ihr in ihren Artikeln, später in ihren Büchern, ein Kapitel. In der ersten Kriegshälfte war dies die einzige Manifestation, die die Welt und besonders die englischen Strategen daran erinnerten, daß der Zionismus eine aktuelle Frage ist und daß man aus ihm sogar in einer solchen Zeit einen wichtigen Faktor

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.