Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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50 MENORAH machen kann. Mir persönlich, meiner weiteren Arbeit für den Legionsgedanken, hatte das „Zion-Mule-Corps" die Türen zum englischen War-Office geöffnet, schuf mir die Verbindung zum französischen Außenminister Delcasse, wie auch zum russischen Außenministerium. Aber auch die rein-militärische Seite des „Zion-Mule-Corps" ist ein Ruhmesblatt im Buche der Kriegsgeschichte. Ich habe es immer bedauert, daß man in Palästina allzufrüh die Briefe Trumpeldors aus Gallipoli herausgegeben hat. Mit seiner gewohnten Genauigkeit, mit seiner charakteristischen Abneigung über hohe und feierliche Erscheinungen zu sprechen, hat er in seinen fast täglichen Briefen an eine Freundin einfach und bescheiden die Alltagssorgen des Frontlebens geschildert. Solche Nöte sind immer kleinlich; sogar in der schönsten Zeit von Garibaldis Kämpfen war das innere Frontleben auch ausgefüllt mit Magensorgen, mit Reibungen zwischen diesem und jenem Leutnant, mit tausend kleinen Enttäuschungen. Aber nicht darin besteht der Wert einer kollektiven Handlung. Er besteht darin, daß vom ersten bis zum letzten Tage dieses unseligen Gallipoli-Abenteuers diese Gruppe junger Leute unter dem türkischen Feuer in einem schweren und gefährlichen Dienst standhielt. Trumpeldor hatte recht: die Gefahr war dieselbe, beim Train wie im Schützengraben. Die ganze Fläche, die die Engländer eingenommen hatten, bestand bloß aus einigen Quadratkilometern. Die türkischen Kanonen haben vom Berge Atschi-Baba tagtäglich den ganzen Abschnitt, von den Schützengräben bis zu den Unterständen der jüdischen Trainsoldaten, beschossen und unter diesem Feuer führten sie allnächtlich ihre Mulis, beladen mit Munition, Brotsäcken und Cornedbeef, in die Schützengräben und zurück. Sie büßten an Toten und Verwundeten den normalen Prozentsatz ein, erhielten Auszeichnungen, dienten brav und verläßlich, zu Nutz und Ehre. Ihre Bravour wird vom General Sir John Hamilton, dem Kommandanten der ganzen Gallipoli-Armee, in einem Briefe, der nach Beendigung seiner Kampagne geschrieben wurde, erwähnt. . .. Sie arbeiteten mit ihren Mauleseln ruhig während des stärksten Feuers und bewiesen dabei, meiner Ansicht nach, sogar einen höheren Grad von Mut als die Soldaten der Frontschützengräben — da jene doch die Aufregung des unmittelbaren Kampfes haben, die ihnen zum Standhalten verhilft.. ." Ihr Kommandant war Colonel Henry Patterson, eine der merkwürdigsten christlichen Figuren, denen das jüdische Volk begegnet ist. Ich habe ihn erst später kennengelernt und werde über ihn noch viel zu sprechen haben. Trumpeldor, mit dem Rang als Captain, war sein