Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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48 MENORAH lische Armee aufzunehmen. Ich kann Ihnen nur eine Sache vorschlagen: aus Ihren jungen Leuten eine Abteilung für Tragtiertransporte zu bilden und sie an einer anderen türkischen Front zu verwenden. Mehr kann ich nicht." In jener Nacht saßen wir alle bis zum Morgen in Gluskins Hotelzimmer und berieten, was wir machen sollten. Wir, die „Zivilbevölkerung", hielten es für richtig, daß man den Vorschlag des Generals höflich abweisen müsse. Das Wort „Mauleselwärter" klang uns wie irgend ein unehrenhafter Titel. Es schickt sich nicht, daß die erste jüdische Legion in der Geschichte der Diaspora aus Trainleuten mit Mauleseln bestehen soll. Zweitens, was haben wir auf einer „anderen türkischen Front" zu suchen? Es war zwar nicht klar, welche Front er gemeint haben mochte. Die erste Attacke auf Gallipoli von der Seeseite her endete mit einer Niederlage und daß man eine zweite, mit einer Truppenlandung auf der Gallipoli-Halbinsel selbst, vorbereite, davon hatte die Welt noch keine Kenntnis. Aber eine Sache war klar: nicht Palästina. Trumpeldors Meinung war eine andere. „Als Soldat sprechend," bemerkte er, „bin ich der Meinung, daß Ihr den Unterschied zwischen Schützengraben und Train allzusehr übertreibet. Der Unterschied ist gar nicht so groß; alle sind Soldaten, sowohl die einen als auch die anderen sind unentbehrlich und sogar die Lebensgefahr für die einen wie für die anderen ist oft die gleiche. Und sich des Wortes „Mule-Corps" zu schämen, das ist schon ganz und gar kindisch. Wenn ein Jude einen Menschen beleidigen will, sagt er nicht: ,Du bist ein Maulesel', sondern ,Du bist ein Pferd' — und dennoch rechnet man es sich als Ehre an, bei der Kavallerie zu dienen. Bei den Engländern und Franzosen gibt es ein ,Kamel-Corps' und es gilt sogar als Ehre, dort zu dienen. Diese Dinge sind Kleinigkeiten." „Aber nicht in Palästina!" „Auch das ist kein stichhältiger Grund vom Standpunkte des Soldaten. Um Palästina zu befreien, muß man vorerst den Türken besiegen. Wo zum Schlage ausgeholt werden soll, ob im Norden oder im Süden, das ist eine technische Frage. Jede Front ist ein Weg nach Zion." Beschlossen wurde nichts. Als ich allein mit Tumpeldor nach Hause ging, sagte ich ihm: „Vielleicht sind Sie im Rechte; ich werde mich jedoch nicht anschließen." „Ich vielleicht ja", entgegnete er. Morgens wieder in Alexandrien. Ich fand ein Telegramm aus Genua vor. Die Unterschrift lautete: „Pinchas Rutenberg"; der Text — ob und