Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 10)
- Language
- German
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46 MENORAH Nach einer Woche beriefen wir eine Versammlung ein, bestehend aus unseren Leuten von der Baracke „Maprusa". Es kamen einige hun* dert. Im Präsidium saßen der Oberrabbiner Della-Pergola, andere Mitglieder des Komitees, die für die Flüchtlinge sorgten — unter ihnen der alte Gluskin — und Trumpeldor. Wir legten der Versammlung einen Bericht über die Lage vor. Konsul Petrows Forderungen werden die Engländer nicht erfüllen; aber hier in den Baracken ewig sitzen zu bleiben, schicke sich auch nicht. Früher oder später wird die englische Armee von Ägypten nach Palästina marschieren. Aus Jaffa treffen täglich neue, schlimme Nachrichten ein: die Türken haben die hebräischen Schilder auf den Straßen verboten, haben Dr. Ruppin, den Vertreter des zionistischen Aktionskomitees, obwohl er deutscher Staatsbürger ist, ausgewiesen, haben führende Männer des Jischuw verhaftet und erklärt, daß nach dem Kriege eine jüdische Kolonisation nicht mehr gestattet werden wird. Also? Das Dokument, das in der leeren, halbdunklen Halle von „Maprusa" in jener Frühlingsnacht unterschrieben wurde, werde ich einmal unserer Nationalbibliothek in Jerusalem überreichen. Es ist ein Stück Papier, das eine hebräische Resolution enthält: ,, ... eine jüdische Legion zu schaffen und England den Vorschlag zu unterbreiten, sich ihrer in Palästina zu bedienen." Etwa hundert Unterschriften waren darauf. Die erste Unterschrift setzte Seew Gluskin. ,,Ich bin alt," sagte er, mir die Feder entreißend, „zum Soldaten tauge ich nicht mehr. Aber ich will die Verantwortung tragen." Als ich am anderen Morgen nach Gabari kam, bemerkte ich mitten im Flofe eine ganze Parade. Drei Gruppen junger Leute lernten marschieren. Instruktoren fanden sie unter sich, unter den ehemaligen russischen Soldaten. Einige Mädchen nähten in einer Ecke eine Fahne; ein Komitee, aus Gymnasiasten bestehend, war bereits damit beschäftigt, die militärische Terminologie ins Hebräische zu übersetzen. Später kam Trumpeldor und die drei Gruppen formierten sich zu einer Kolonne und defilierten vor ihm im Stechschritt. Er schaute zu mit einem zufriedenen Lächeln. „Um Himmelswillen," flüsterte ich ihm leise zu, „sie marschieren doch wie Gänse." Darauf entgegnete er: „Ejn dawar." Einige Tage hernach reiste eine Delegation nach Kairo, wo die ägyptische Regierung die Wintermonate verbrachte. Als erstes stellte sie sich dem Minister für innere Angelegenheiten vor. Er hieß Mr. Ronald Graham; heute heißt er Sir Ronald und ist englischer Botschafter