Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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40 MENORAH um ihn wie um den vorjährigen Schnee. Nur bei euch, bei den naiven Europäern, glaubt man noch, daß der Islam eine Macht bedeute, der verschiedene Völker zu einer politischen Aufgabe vereinigen könne. Der Türke selbst glaubt daran nicht: schon hundert Jahre hindurch versetzt Europa dem Türken Schlag auf Schlag, nimmt ihm die schönsten Gebiete weg und keine islamitische Nation rührt die Hand, um dem Sultan zu helfen, obwohl er sich als „Scheik ul Islam" bezeichnet. Die Deutschen, die ebenso naiv wie alle anderen Europäer sind, haben ihn überredet, es doch noch einmal zu versuchen. Vergebene Mühe, für den Türken wird sich keine Seele vom Platze rühren. Sie werden noch moslemitische Soldaten sehen, ja sogar Kriegsfreiwillige, die auf die Armee des Sultans und seine Verbündeten schießen werden. Und so geschah es denn auch. In Alexandrien stieß ich wider Erwarten auf eine sehr rege zionistische Umgebung. Einige tausend Flüchtlinge hatte das Schiff aus Jaffa gebracht; plötzlich, ohne die geringste Ursache, befahlen die Türken der arabischen Polizei, Juden auf der Gasse einzufangen und sie in Boote zu treiben. Die Polizei — der Onkel Ismael — entledigte sich dieser Aufgabe mit geradezu rührender Aufopferung, sie teilte Ohrfeigen aus, raubte Bettzeug und Bargeld — und auf dem Meere, etwa hundert Meter vom italienischen Dampfer entfernt, pflegte der arabische Inhaber sein Boot halten zu lassen und von jedem Passagier ein Pfund Sterling zu verlangen, sonst wird er ihn ins Wasser werfen .. . Ich bemühte mich zu begreifen, warum man gerade diese und nicht andere Juden ausgewiesen hatte; es gab unter ihnen Kaufleute, Handwerker, Weiber, Kinder, Gymnasiasten, Ärzte und Beamte. Ich habe es bis heute noch nicht ergründet, nach welchem „System" da vorgegangen wurde. Die englische Regierung gab Baracken und Geld her; schuf ein besonderes Departement für Flüchtlingsangelegenheiten, mit einem feinen, freundlichen Engländer an der Spitze — er hieß Mr, Hornblower. Ich erinnere mich noch eines Namens, das war Mrs. Brodband, die die größte der Baracken, die „Gabari" verwaltete und die die Kinder ,,die weiße Herrin" genannt hatten. Auch ich habe einige Wochen in Gabari gearbeitet: es war dies ein Lager von 1200 Seelen, darunter gab es dreihundert Sephardim. Wir schufen zwei Küchen, eine aschkenasische und eine sephardische (früher gab es bloß, eine Küche, aber unter den Sephardim brach förmlich ein Aufstand aus und besonders beklagten sie sich über die „Suppe", die ihnen wie Gift ver-