Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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38 MENORAH anderen Seite. Die türkische Geste hatte dies ganz geändert. Schon seit dem Jahre 1909, als ich in dem jungtürkischen Konstantinopel hinter den Kulissen vier zionistische Zeitungen redigierte, hatte ich die feste Überzeugung, daß dort, wo der Türke herrscht, weder Sonne scheinen noch Gras wachsen kann, und daß die einzige Hoffnung des Zionismus in der Zerstörung des Türkischen Reiches liegt. Als ich nun in Bordeaux jenes Telegramm gelesen hatte, bekehrte ich mich an Ort und Stelle und wurde ein hundertprozentiger Anhänger der Verbündeten. Es war doch klar: was mit den Juden in Rußland, Polen und Galizien geschehen sollte, war zwar sehr wichtig, jedoch weniger wichtig im Vergleich zu den Möglichkeiten, die sich im Falle der Zerstückelung der Türkei ergeben konnten. Daß die Türkei bei der geringsten Einmischung in den Krieg wird untergehen müssen, darüber herrschte bei mir kein Zweifel. Das war kein „Gefühl" mehr, sondern einfach eine kalte Berechnung. Ich hege einen ungeheueren Glauben für kalte Berechnungen. Österreich und die Türkei kannte ich seit Jahren gut — in beiden Ländern lebte ich lange Zeit als Zeitungskorrespondent; und ich schätze sehr den Journalistenberuf, da ich überzeugt bin, daß ein tüchtiger Zeitungsmann immer mehr weiß als ein Minister oder ein Professor. Ich wußte, daß Österreich aus Teilen bestand, die voneinander losstrebten; und ich wußte, daß die Türkei kein Land war, sondern ein trauriges Mißverständnis. Daß Deutschland besiegt werden wird, habe ich nicht gewußt — sogar ein Journalist kann kein Prophet sein. Aber daß Österreich und die Türkei alle Kriegskosten bezahlen werden, daran zweifelte ich nicht einen Augenblick. Stein und Eisen können einem Brande trotzen, ein hölzernes Häuschen muß jedoch den Flammen zum Opfer fallen, wenn nicht ein Wunder geschieht — hingegen beherrschte mich immer der feste Glaube: es gibt keine Wunder. In Bordeaux erhielt ich von meiner Zeitung ein Telegramm folgenden Inhaltes: „Besuchet mohammedanische Länder von Nordafrika, studieret Effekt türkischer Proklamation heiligen Krieges." — Ich beschloß also, nach Marokko, Algier und Tunis zu reisen und nach dem englischen Ägypten. Ich fuhr nach Madrid, dort lebte zu jener Zeit Max Nordau, da die Franzosen den läppischen Witz begangen hatten, ihn als „Österreicher" aus Frankreich auszuweisen, das seine eigentliche Heimat war. Ich richtete an ihn die Frage: „Sollen wir versuchen, ein jüdisches Korps zu schaffen und England den Vorschlag machen, sich seiner an der neuen Front — in Palästina zu bedienen?" Er verhielt sich