Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 37 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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VOM NIL ZUM JORDAN Erinnerungen aus dem Weltkriege von Wl. Jabotinsky Nachdruck, auch auszugsweise, verboten — Copyright 1928 by Wl. Jabotinsky, Paris I. Das Flüchtlingslager in Alexandrien Tief im Winter des Jahres 1914 landete mein Dampfer, aus einem italienischen Hafen kommend, in Alexandrien, in Ägypten. Während der englische Paßkontrollen meinen russischen Paß vidierte und unter den dreißig fremden Visa die Einreiseerlaubnis nach Ägypten suchte, unterhielt er sich gleichzeitig mit einem Bekannten und ich hörte ihn sagen: „Vor einigen Tagen brachte ein Schiff aus Jaffa etwa 1000 Zionisten, die die Türken aus Palästina ausgewiesen haben/' Man zählte bereits den fünften Kriegsmonat und mehr als vier Monate hatte ich mich schon in verschiedenen Ländern herumgetrieben. Eine Moskauer Zeitung, die Russkaja Wiedomostij", hatte mich ausgesandt, um die Lage in beziig auf den Krieg zu studieren. In Schweden sollte ich erkunden, ob die Verdächtigung des berühmten Sven Hedin, daß Rußland Schweden einen Hafen am Golfstrom entreißen wolle, tatsächlich Verbreitung unter den Volksmassen gefunden hätte und ob die Gefahr bestünde, daß Schweden sich deswegen mit Deutschland verbünden und Rußland den Krieg erklären würde. In England ging meine Aufgabe dahin, zu erfahren, inwieweit jener Witz zutreffe, den Witzbolde überall in Rußland wiederholten, nämlich — daß England „bereit sei zu kämpfen bis zum letzten russischen Soldaten". In Frankreich gab es nichts „auszukundschaften", denn über die Stimmung der Franzosen herrschte kein Zweifel; dort mußte ich einfach das Leben an der Front beobachten, mußte Reims besuchen, um zu berichten, ob die Deutschen wirklich die schöne Kathedrale zerstört haben und ob man in Paris hoffnungsvoll oder deprimiert sei. „Paris" war aber schon nach Bordeaux übersiedelt, weil die Regierung sich von der bedrohten Hauptstadt zurückziehen mußte. Ich fuhr also nach Bordeaux; und dort, an einem verregneten Morgen, las ich ein Telegramm in den Zeitungen, daß die Türkei den Krieg erklärt und an alle mohammedanischen Völker die Aufforderung habe ergehen lassen, sich in einem heiligen Krieg zu erheben gegen ihre europäischen Beherrscher. Bis zu diesem Augenblick hatte ich mich in Bordeaux als neutraler Kriegsbeobachter gefühlt, ohne tiefere Sympathien zur einen noch zur