Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1928)
- Article
- Camille Pissarro
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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CAMILLE PISSARRO 27 wähnen, daß Camille sich mit diesem Bruder Fritz Melbyes angefreundet hatte.) An derselben Wand hingen Corot, Delacroix, Millet und Daubigny. Nur — sie hingen besser. Pissarro war überhaupt nicht zu sehen. Aber — er konnte seinen Eltern schreiben: „Ich stelle im Salon aus." 1861 aber öffnete der Salon ihm seine Pforten nicht mehr. Ebensowenig 1863. Meissonier war in der Jury, platte Akademiker assistierten ihm. Die Besten wurden abgelehnt, ein Riesenskandal brach aus, der Kaiser selbst griff ein, befahl, alles auszustellen. Das war der berühmte „Salon der Abgelehnten" oder „Zurückgewiesenen", der zwei Wochen nach dem offiziellen eröffnet wurde und wo zwischen den besten ihrer Zeit, den Manet, Whistler, Jongkind, Fantin-Latour, drei Bilder von Pissarro hingen. Sie wurden nicht nur bemerkt, sie wurden gelobt, mehr noch: man warf den Offiziellen vor, daß sie Pissarro nicht aufgenommen hatten. Aber ein wichtigeres Ergebnis noch hatte dieser neue Salon. Pissarro lernte jene Maler kennen, die nachmals unter dem Namen „Impressionisten" berühmt werden sollten. Von 1864 an stellt Pissarro dann regelmäßig im offiziellen Salon aus. Der Katalog nennt ihn einen Schüler Gorots. Man wagt es nicht mehr, Pissarro zurückzuweisen. Er hat inzwischen auch geheiratet, er hat sogar schon einen Sohn. Er lebt mit der Familie auf dem Lande, aber es gibt einen Kunsthändler in Paris, bei dem ständig Gemälde Pissarros zu sehen sind. Von 1865 an, dem Jahr der Stürme, in dem Manets „Olymp ia" ausgestellt wurde, gehört Pissarro zu dessen Kreis im Cafe Guerbois. Und von diesem Jahr an wandelt sich Pissarro. Immer weniger Corot- Schüler, immer mehr wird er der Mann der Palette mit den reinen Tönen. Der pere Martin wird sein Händler, der Mann Corots und Jongkinds. Zwanzig oder vierzig Franken, je nach Größe, sind Pissarros Preise. Dann, 1870, nach so viel Frieden und Arbeit, muß Pissarro aus seiner ländlichen Abgeschiedenheit in Louveciennes vor der preußischen Invasion fliehen. An 100 Bilder, Arbeit von fünfzehn Jahren, vernichten die Soldaten. Nicht nur Pissarros, auch Claude Monets bei Camille deponiertes Werk. Aber dies Jahr des Unheils soll die Entscheidung im Künstler bringen. Pissarro reist nach England, wo er für sich und Monet Turner entdeckt. Es ist vor allem Turners „Sonneim Nebe 1", die in den beiden das Gefühl erweckt, daß es eine Technik gibt, die reicher ist als die ihre und der modernen Sensibilität näher. „Vor allem sind die beiden" — ich lasse Paul