Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1928)
- Article
- Camille Pissarro
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
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26 MENORAH (gewissermaßen) ein zivilisierter Barbar, Gauguin, der Zivilisationsmensch, machte sich selbst zu einem Barbaren. Malerisches boten die Antillen genug; Hafenszenen aus Charlotte- Amalia mit ihren Negern, die belebten Gassen, die exotische Landschaft zeigten dem Heimgekehrten neue Reize. Nach fünf Jahren von Zeichnen unterbrochenen Händlerlebens hatte Pissarro genug. Eines Tages läßt er alles stehen und liegen und fährt nach Caracas. Fritz M e 1 b y e, ein dänischer Maler, hatte den letzten Anstoß gegeben, als er (auf Saint-Thomas weilend) Pissarro Matrosen und Neger zeichnen gesehen hatte. Sie lebten, zeichneten, malten zusammen. Schluß mit den Kurzwaren! Vater Pissarro, so unsicher ihm seines Sohnes neues Geschäft schien, war großzügig genug, ihm einen Wechsel auf Paris auszuschreiben. 1855 taucht Camille dort wieder auf. Es war das Jahr der Exposition universelle: Ingres und Delacroix waren auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes, Courb e t wurde wütend angegriffen, Corot etwas links liegen gelassen und nicht ganz voll genommen. Was Wunder, daß Pissarro sofort mitten im Trubel war, was Wunder, daß er sich just von Courbet angezogen fühlte? Doch vernachlässigte er das Studium Ingres1 nicht und ebensowenig das der Daubigny, Delacroix und Corot. O Haus Nr. 58 der Rue Paradis-Poissonniere! O Atelier Corots! O Sechzig jähriger, der du den Jungen zärtlich aufnimmst! Euch Toten meinen Gruß, ihr Ewigen im Gedächtnis der Kunst! Aber nicht Corot sollte Pissarros Lehrer werden — Vater Pissarro wünschte regelrechten Unterricht in einer Schule. Also begann Camilles Wanderung durch die öffentlichen und privaten „Akademien", denen er — ach, so gern! — in die freie Landschaft entrann. Das Jahr 1856 wird für Pissarro ein Jahr des Arbeitsfiebers. Hie und da darf Corot ein Bild des Jungen argumentiert kritisieren. Die Ratschläge des Altmeisters, der ein wenig schwatzhaft ist und gern doziert, werden willig resorbiert. Nach drei Jahren, nachdem er vorher den um zehn Jahre jüngeren Claude Monet kennengelernt hatte, stellt Pissarro zum erstenmal im Salon aus. Weiß man heute noch, was der Salon bedeutete? Weiß man, daß er der Weg zu Anerkennung, Ruhm und Ansehen war? Daß nur der galt, der im Salon ausstellte? O Stunden des Bangens, ehe Pissarro sich aufgenommen weiß! Dann der Katalog: „Pissarro (Camille), geboren in Saint-Thomas (Dänische Kolonien), Schüler von Anton Melby e." (Ich vergaß zu er-