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Menorah · 1928-01-01 · Heft 1 (Januar 1928) · p. Seite 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 1 (Januar 1928)
Article
Tobias Levy, 1851-1917
Date
1928-01-01
Page
Seite 21 (sequence 15)
Language
German
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TOBIAS LEW (1851—1917) 21 seine Billigung nicht; aber als der Krieg da war, hatte er sich, sein Vermögen, seine Söhne, dem Vaterland zur Verfügung gestellt. Sein älterer Sohn Alfred war beim Generalstab, der war nicht von Gefahr bedroht. Aber Kurt wetteiferte mit dem großen Richthofen und hatte schon achtzehn feindliche Flugzeuge abgeschossen. Das konnte nur ein Ende nehmen. Aber der Justizrat verstand, was Kurt in den Tod trieb: Sybil, die Engländerin, die ihr Mann anbetete, war nach Holland geflohen. Es war im Sommer des Jahres 1917. Justizrat Burgbammer saß daheim an seinem Schreibtisch. Durch das hohe Fenster sah er auf das rote, braune und gelbe Laub des Tiergartens hinaus, das in den letzten Strahlen der Sonne erglänzte. Sein weißer, durchsichtig feiner alter Kopf schien zu horchen. Ja, das war mehr als der alltägliche Stadtlärm. Es war vorauszusehen gewesen. Wie konnte es anders sein? Hatte je ein Volk gelitten, was dieses Volk erlitten hatte? Hunger und Seuche und Tod — jetzt war eben seine Geduld zu Ende. Banden aus dem Osten der Stadt bewegten sich gegen den Westen. Sie wuchsen zu riesigen Mengen an. Die Regierung hatte Maßnahmen getroffen, das wußte er. Aber es tat ihm leid, bitter leid... Er saß unbeweglich da. Das Brüllen kam immer näher. Plötzlich, wie zerrissene Fahnen im Winde, flatterte der Mob um die Ecke und hielt vor seinem Hause. Ein Murren und Stöhnen und Knurren der Wut stieg zu Justizrat Burghammer herauf. Dann der schrille, hysterische Schrei einer Frau: „Die verdammten Juden fressen, während unsere Kinder verhungern." Der Justizrat erhob sich langsam und trat ans Fenster. Aufrecht und ernst stand er da. Ein Stein krachte durch die Scheiben, hoch über ihm. Wieder und wieder splitterte das Glas, aber es wurde wild und blind geworfen und keines der Geschosse traf ihn. Dann hörte man Pferdegetrappel und die berittene Polizei galoppierte mit gezogenen Säbeln mitten hinein in die dunkle, armselige, plötzlich verstummte Menge von hungrigen, zerlumpten Geschöpfen... der Justizrat verbarg das Gesicht in den Händen. Er setzte sich wieder an seinen Schreibtisch; es dunkelte, aber er drehte das Licht nicht auf. Seine Frau arbeitete in dem Spital, das sie gegründet hatte und erhielt; in der anstrengenden Pflege, die weit über ihre Kräfte ging, suchte sie die Tragödie von Kurt und Sybil zu vergessen... Es klopfte. Ein Diener trat ein, drehte eine halbverhüllte Lampe auf und legte leise ein Telegramm auf den Tisch vor seinen Herrn. Es war ein deutscher Junge, der in einer der ersten Schlachten

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