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Menorah · 1928-01-01 · Heft 1 (Januar 1928) · p. Seite 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 1 (Januar 1928)
Article
Tobias Levy, 1851-1917
Date
1928-01-01
Page
Seite 19 (sequence 13)
Language
German
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TOBIAS LEVY (1851—1917) 19 nehmen werde. Er schrieb nicht, daß er vor einigen Monaten von dem später als Erzantisemiten berüchtigten Stöcker getauft worden war. Aber Ephraim verstand. Er hatte den Brief stumm gelesen. Jetzt wandte er sich an seine Frau, mit hochrotem Kopf. Er hob die Arme und rief mit lauter Stimme: „Ausgelöscht soll sein Name seinl Er ist geschmadt." Er zerriß sein GewTand nicht und streute sich nicht Asche aufs Haupt — aber nur deshalb, weil die einst so sonnige und freundliche Welt, die inzwischen düster und feindselig geworden war, ihn langsam auf dieses Ende vorbereitet hatte. Die antisemitischen Pöbeleien der Presse und der Kirche, das immer lauter anschwellende Gebrüll der rassenbewußten Germanen — all das berührte unseren Helden nicht mehr; er war Theodor Burghammer, der hervorragende Jurist, Christ und Preuße. Sein Bruder Samuel wurde nach Berlin verschlagen und machte einen Laden auf dem Moritzplatz auf. Er wußte nichts davon, bis eines Tages Samuel in sein Bureau kam und mit schmerzverzerrtem Gesicht um Hilfe bat. Burghammer gab reichlich — eine größere Summe als Samuel je auf einmal in der Hand gehabt hatte — aber er hatte Eile, er mußte fort, zu einer wichtigen Besprechung. Die Brüder sahen einander nie wieder. Im Jahre 1890 wurde ihm kurz mitgeteilt, daß seine Mutter gestorben sei. Er fuhr zur Bahn, löste eine Fahrkarte erster Klasse und ging auf den Bahnsteig hinaus. Lange stand er vor dem schwarzen Zuge, dann zerriß er die Fahrkarte, nahm eine Droschke und fuhr heim. Telegraphisch wies er seinem Vater Geld an, das prompt zurückgeschickt wurde. Im nächsten Monat wurde er zum Justizrat ernannt. Sein Schwiegervater starb und seine Frau erbte ein gut Teil des ungeheuren Vermögens. Die Burghammers bauten sich ein Palais in der Tiergartenstraße, und was in Literatur und Kunst einen Namen hatte, drängte sich in ihren Empfangsräumen. Da stand Burghammer neben seiner Frau — der Christ und Preuße, stramm konservativ, eine Stütze des Reiches, eine Säule von Thron und Altar; und wie er so dastand und die glänzende Szene überschaute, da s a h er plötzlich, sah einmal mit sehenden Augen. Musiker, Schriftsteller, Schauspieler, Verleger, Gelehrte, Juristen. Und lauter Juden. Kaum eine Handvoll Christen, vier oder fünf, und was waren sie? Bittsteller oder Schmarotzer. Er lachte laut auf — schrill, unmotiviert. Aber er hielt im Augenblick inne — die dunklen Augen seiner Frau ruhten auf ihm, und er liebte sie innig.

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