Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1928)
- Article
- Tobias Levy, 1851-1917
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 11)
- Language
- German
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TOBIAS LEVY (1851—1917) 17 abergläubischen Ideen und Sitten ihrer Ahnen die Christen binden — das ist eine Frage, über die du, wie es scheint, noch nicht genügend nachgedacht hast." Tobias sprang auf. Das erlösende Wort war gefallen. „Du hast ganz recht", sagte er. „Vollkommen recht. Jetzt weiß ich, was ich zu tun habe." Om Für König und Vaterland. Wieder und wieder, das letztemal noch in der lebenden Erinnerung alter Leute, war Deutschland von Frankreich erbarmungslos zertreten worden. Der Tag des Gerichts war da. Ein Aufruhr der Gefühle. Die Studenten zerstoben. Blonde Jünglinge umarmten Tobias auf offener Straße, als sie hörten, er sei im Begriffe, sich in seiner Vaterstadt freiwillig zu stellen. Burghammer nickte. Gemessen sagte er: „Ich freue mich von Herzen. Das wird ein großer Krieg, ganz anders als 1864 oder 1866. Wenn wir uns tadellos benehmen, wird unsere Stellung im neuen Reich eine uneinnehmbare sein. Wir kämpfen nicht nur für das Vaterland, auch für unsere Stellung im Vaterland." Tobias umarmte ihn stumm, die Tränen saßen ihm in der Kehle. Vielleicht würden sie einander auf dem Felde der Ehre begegnen ... Auf der Fahrt nach Insterburg nahmen junge Leute Tobias in ihre Mitte. Sie waren ein wenig beduselt. Sie tranken Bruderschaft. Ein junger Korpsstudent hielt eine tönende Rede: „Konfessionelle Unterschiede haben aufgehört zu existieren. Katholiken, Protestanten, Israeliten — wir alle sind Deutscher* Lieb Vaterland, magst ruhig sein, Fest steht und treu — und treu Die Wacht am Rhein. Tobias hatte Mühe, die Tränen zurückzuhalten — Tränen der Freude, der Weihe. Wieder daheim. Du lieber Gott, war das sein Heim? Seine Mutter, sonst so gelassen und würdevoll, weinte und jammerte. Ihr einziger Trost war, daß Samuel, der jüngere Sohn, noch zu jung zum Militärdienst war — und überdies hatte er Plattfüße und schwache Augen. Tobias ballte die Fäuste. Gott sei Dank, er hatte nicht die platten Füße des „Medinegehers", des Hausierers. Aber sein Vater, sein Vater war schlimmer als die Mutter. Er sah düster und böse drein, war noch hagerer als sonst. Bittere Verachtung lag in seinem Blick. „Müssen die Gojim einander immer abschlachten?" fragte er. Tobias biß sich in die Lippen. In harten, knappen Worten ver-