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Menorah · 1928-01-01 · Heft 1 (Januar 1928) · p. Seite 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 1 (Januar 1928)
Article
Tobias Levy, 1851-1917
Date
1928-01-01
Page
Seite 16 (sequence 10)
Language
German
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16 MENORAH im Hörsaal schon von weitem gesehen — und sagte: „Hans Burghammer." Schwer brachte er die zwei Worte hervor: „Tobias Levy." Der junge Mann zog fast unmerklich die Brauen in die Höhe. Das hätte ein Christ nicht getan. Tobias verstand genau, was die Augenbrauen sagen wollten: „Das mußt du ändern, lieber Freund, wenn deine Karriere deinen persönlichen Eigenschaften entsprechen soll." Die beiden wurden rasch intim. Tobias saß in Burghammers eleganter Bude und hörte zu, mit Erstaunen, mit Herzweh, schließlich mit widerstrebender Zustimmung. „Dein Vater macht ausgezeichneten Kümmel. Allerhand Hochachtung! — Mein Großvater war AbfallhändlerI Alteisen war seine Spezialität. Sein Vater ging noch mit dem Karren von Haus zu Haus und kaufte Eisen auf. Er hieß Hamburger, Schmul Hamburger. Mein Großvater machte sein Vermögen als preußischer Heereslieferant während der napoleonischen Kriege. Mein Vater, Kommerzienrat Heinrich Burghammer, hat es vergrößert Meine Geschwister und ich, mein lieber Junge, sind alle geschmadt. Als kleine Kinder schon, versteht sich. Man hat keinen Gewissenszwang auf uns auszuüben brauchen. Wir sind Protestanten. Alle Türen stehen uns offen. Natürlich, die Junker schneiden uns noch, wenn sie nicht gerade etwas von uns wollen. Aber der Staat hält zu uns. Man braucht unsere jüdischen Köpfe. Graf Bismarck zieht meinen Vater zweimal im Monat zu Rate. Mein Vater hat das Geld für 1866 beschafft. Wenn es wieder Krieg gibt, mache ich ihn als Offizier mit. — Warum ich nicht in Berlin studiere? Weil das gesellschaftliche Leben dort mich beim Studium stört. Und ich habe nicht die Absicht, ein verbummelter Student zu werden, wie so viele Söhne aus reichen gojischen Häusern. Ich will alles daransetzen, unserem Hause Ehre zu machen... Aber der Kümmel ist wirklich ausgezeichnet. Ich muß mir noch ein Gläschen einschenken." Tobias starrte auf den Teppich. Ohne zu wissen, weshalb, sagte er: „Meine Großmutter väterlicherseits — ich habe sie nicht mehr gekannt — hat ihren Lebensabend in Jerusalem verbracht." Burghammer lächelte mitfühlend. „Wie rührend! Meine Schwester — sie ist ein großer Bücherwurm —. sagt mir, daß die alten Sitten und Gebräuche von gewissen Historikern sehr interessant geschildert werden." Er sah den Freund ein wenig von oben herab an, dann fügte er hinzu: „Aber warum diese alten Bräuche uns mehr binden sollen, als die

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