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Menorah · 1928-01-01 · Heft 1 (Januar 1928) · p. Seite 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 1 (Januar 1928)
Article
Tobias Levy, 1851-1917
Date
1928-01-01
Page
Seite 14 (sequence 8)
Language
German
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14 ME NORAH das wenigste, was er sich schuldig war. Christen konnten es sich leisten, die Dinge leicht zu nehmen. Sie mußten nicht hundertmal mehr erreichen als der Durchschnitt, um eine durchschnittliche Karriere zu machen. Tobias träumte davon, Richter zu werden. Jeder halbwegs intelligente Christ konnte das in Preußen. Aber damit ein Jude auch nur eine untergeordnete Stellung bekam, mußte er ein Wunder an Gelehrsamkeit und Geist, an Liebenswürdigkeit und Takt, an Gewissenhaftigkeit und Hingebung sein... So war es. Ja. So und nicht anders. Das Leben war wie eine Straße, ein Laden beim andern. Und wenn man leben wollte, mußte man einkaufen, anders ging es nicht. Die Geschäftsleute waren ehrlich, die Waren deutlich mit festen Preisen bezeichnet, und für die christlichen Kunden gab es kein Handeln und Feilschen. Aber wenn du eintrittst — du, Tobias Levy — dann werden die Preise um fünfhundert Prozent hinaufgesetzt, in aller Höflichkeit und Zuvorkommenheit, gewiß. Und wenn du Einwendungen machst, dann finden die Kaufleute, du bist ein grober Kerl, und sie nennen dich noch anders — Saujud zum Beispiel. Denn schließlich sind sie nicht verpflichtet, Geschäfte mit dir zu machen. Sie tun es aus purer Menschenfreundlichkeit. Wenn du aber die fünfhundert Prozent ohne Murren bezahlst, sind sie gemütlich und sagen, für einen Juden bist du ein ganz anstandiger Kerl, und vielleicht wäre es gar nicht so unklug, dir ein und das andere Privileg zu verschaffen... Tobias blieb Primus die ganze Schulzeit hindurch. Er maturierte mit Auszeichnung im Alter von siebzehneinhalb. Er war bereit, die fünfhundert Prozent zu bezahlen. Bevor er nach Königsberg fuhr, wo er sich für Jus und Cameralia inskribieren sollte, hatte er eine Aussprache mit seinem Vater. Er war weich gestimmt, war es doch sein erster Abschied von den Eltern, und er legte dem Alten ausführlich seine merkwürdigen und entmutigenden Entdeckungen dar. Ephraim war ein vielgeplagter und mit Arbeit überhäufter Mann. Er schloß einen Augenblick die Augen, wie von Müdigkeit übermannt, dann richtete er sich auf. Er war erregt und verärgert, und die Augen waren ein wenig blutunterlaufen, als er sie wieder öffnete. Er breitete die Hände aus, halb abwehrend, halb flehend: „Bist du meschugge? Was willst du eigentlich? Wie lange ist es her, daß uns die Russen unsere Kinder nahmen, sie gewaltsam tauften und fünfundzwanzig Jahre beim Militär behielten? Wie lange ist es her, selbst hier, in diesem aufgeklärten Lande, daß wir Staatsbürger sein dürfen? Willst du König werden? Mir sennen Jüden. Mir sennen in

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