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Menorah · 1928-01-01 · Heft 1 (Januar 1928) · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 1 (Januar 1928)
Article
Tobias Levy, 1851-1917
Date
1928-01-01
Page
Seite 13 (sequence 7)
Language
German
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TOBIAS LEVY (1851—1917) 13 Junkern auf ihre Güter eingeladen. Freilich fiel es diesen Leuten auch ■, nicht im Traume ein, seiner Familie die mindeste Beachtung zu schenken, oder ihn selbst einzuladen, wenn sie Gesellschaft hatten. Diesen Umstand suchte Tobias zu verstehen oder zu vergessen. Er konnte sich ja auch seinen Vater oder seine Mutter im Salon von Schloß Harmsdorff nicht gut vorstellen. Er wußte — denn seine Seele hatte Fühler wie die aller Juden — daß die jungen Baronessen, die Schwestern seiner Freunde, über seinen Namen und über die Freundschaft ihrer Brüder für ihn lachten. In seiner Gegenwart aber benahmen sie sich recht nett, und seinem jugendlichen Überschwang erschienen sie alle göttlich, anbetungswürdig. Im geheimen dichtete er sie an. Aber wenn er nach Hause zurückkehrte, war er doppelt liebevoll gegen seine Eltern, ganz der gehorsame jüdische Sohn. Weder Vater noch Mutter ahnten etwas von seinen Entdeckungen in jener neuen Welt. Er war brav und hochbegabt und trotz seiner Erfolge in christlichen Kreisen ein wohlgeratenes jüdisches Kind. Die Eltern vergötterten ihn. Als er sechzehn war, hatte Tobias Levy seine eigenartige Lage mit; der Reife eines erfahrenen Mannes begriffen. Seine Lehrer wie seine christlichen Freunde waren gütig gegen ihn und taten sich im stillen auf ihre Herablassung und Toleranz viel zugute. An einem gegebenen Punkte — unverrückbar, wenn auch schwer zu bestimmen — an einem gewissen Punkte hörte diese herablassende Güte auf. Zeichen, die auf Ausnahmen hinzuweisen schienen, waren immer trügerisch. Der junge Wolf von Harmsdorff ging mit ihm durch den väterlichen Park, den Arm zärtlich um seine Schulter gelegt, und erzählte offen von seinen Zukunftsplänen. Beruf. Ehe. Kinder. Reisen. Seine naive und unausgesprochene Voraussetzung — wozu auch das Selbstverständliche erwähnen? — war die, daß die Welt seiner Zukunft eine Welt ohne Tobias sein würde. „Ich mache eine Weltreise, bevor ich mich auf die Klitsche setze. Du wirst doch Jus studieren, Tobias, nicht? Ausgezeichnet. Da kannst du die Güter verwalten, wenn ich majorenn bin — bis ich zurückkehre." Wolf strahlte vor Güte. Tobias preßte die Lippen zusammen. Eine ganz unjugendliche Bitterkeit quoll in ihm auf. Er hatte dem Freunde sein ganzes Herz geschenkt — und der Lohn sollte ein Vertrauensposten sein! Nun, der Herr Baron sollte sich verrechnet haben. Er schützte Kopfschmerzen vor und fuhr nach Hause. Er studierte mit kaltem Feuer. Immer war er Primus — das war

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