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Menorah · 1928-01-01 · Heft 1 (Januar 1928) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 1 (Januar 1928)
Article
Tobias Levy, 1851-1917
Date
1928-01-01
Page
Seite 8 (sequence 2)
Language
German
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8 MENORAH nach Berlin. Dort wurde er in elegante Steinkrüge abgezogen und mit vornehmen Etiketten versehen. Die plumpen Flaschen von Ephraim Levy & Co. drangen in den großen Städten nicht durch. Das Geschäft war solide, aber es war und blieb klein. Überdies zeigte es sich, daß man auf Vater Bratzlawer nicht so bauen konnte, wie man es erhofft hatte. In einem besonders schweren Jahre schrieb Hannah selbst an ihren Vater und erbat Kredit für das Geschäft. Reb Chaim antwortete, er sei ein alter Mann und in Wahrheit gar nicht so reich. Er habe allen sechs Töchtern ihre Mitgift ausgezahlt und habe es sich wohl verdient, seine alten Tage in Frieden zu verbringen, mit Hilfe des wenigen, das ihm verblieben sei. Zum Schluß fügte er, der einst so aufgeklärt gewesen war, hinzu, er zweifle daran, daß Gottes Segen auf Ephraims Geschäft ruhen könne, nach all dem, was er tagtäglich höre — wie Abtrünnigkeit und Gottlosigkeit sich im Westen ausbreiteten. Da nun die Levys in dieser neuen Welt gezwungen waren, ganz und gar auf eigenen Füßen zu stehen, verloren sie immer mehr den Kontakt mit dem Lande ihrer Geburt und mit dessen Gebräuchen. Nur wenige Briefe gingen im Jahre hin und her, und diese waren das einzige, das die schwanke Verbindung aufrecht erhielt. Nach wenigen Jahren schon lächelten Ephraim und Hannah einander an, wenn solch ein Brief aus Polen kam, voll drolliger Wendungen, die noch drolligere Geschehnisse erläuterten. So schrieb Rifke einmal, der Schochet sei dabei ertappt worden, mit dem gojischen Schlächter in Geschäftsverbindung zu stehen; er habe treifene Hühner und Lämmer als koscher verkauft. Den Jammer und die Empörung in der Gemeinde könne man sich vorstellen. Und Ephraim, glattrasiert bis auf eine Fliege und einen winzigen Spitzbart, hatte sich lächelnd an Hannah gewendet, die stattlich in ihrem bordeauxfarbenen Seidenen dasaß, und hatte gemeint: „Mir gesagt — ihre Zores." Wohl gemerkt: „Mir gesagt." Denn im Hause wurde nicht mehr jüdisch gesprochen, sondern ein leidlich richtiges Deutsch, freilich stark mit jüdischen Phrasen versetzt. Die Levys hielten wohl selbst an den Gesetzen und Gebräuchen fest. Sabbat und Feiertage wurden gefeiert. Sie hätten nicht im Traume daran gedacht, treife zu essen. Sie gingen zur Schul, nicht etwa in die moderne Synagoge, die sie auch gar nicht anzog, abgesehen davon, daß deren Gemeinde, streng assimilierte deutsche Juden, sie auch kaum willkommen geheißen hätten. Ja, die Levys waren gute Juden. Aber eine gewisse Laxheit, ein gewisser Geist des Kompromisses hatte sich bei ihnen eingeschlichen, in Wort und Tat wie in Gedanken, und ein scharfer Beobachter — den es nicht gab — hätte sich wohl gefragt, ob

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