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Menorah · 1928-01-01 · Heft 1 (Januar 1928) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 1 (Januar 1928)
Article
Tobias Levy, 1851-1917
Date
1928-01-01
Page
7 (sequence 1)
Language
German
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MENORAH VI. JAHRGANG JÄNNER 1928 NUMMER 1 Nachdruck verboten. TOBIAS LEW (1851-1917) Von Ludwig Lew? s ohn Die folgende biographische Skizze enthält mehrere Abschnitte aus dem zweiten Buche eines Werkes, das soeben in London und New York in englischer Sprache erscheint. Es ist ein jüdischer Roman, dessen Titel lautet: „The Defeated". Das erste Buch erzählt die Geschichte Reb Mendels, eines Wiinaer Melamed, seiner Frau Braine und deren Sohn Ephraim. Ephraim heiratet die Tochter Chaim Bratzlawers, eines reichen Schnapsbrenners. Nach dem Tode Reb Mendels zieht seine Witwe nach Jerusalem, um dort ihr Leben zu beschließen, und Ephraim wandert mit seiner Frau nach Ostpreußen aus, in die Stadt Insterburg. Großmutter Braine starb in Jerusalem zu einer Zeit, da auch die älteren Kinder Ephraims und Hannahs noch zv. jung waren, um den Verlust zu begreifen. Sie hatte nicht oft geschrieben, und selbst diese seltenen Briefe waren eher fromme Übungen als der Ausdruck ihrer eigenen Gedanken und Gefühle. Ihr Sohn erfuhr niemals, ob ihre religiöse Ekstase ihr den Frieden gebracht hatte, den sie suchte. In der Freiheit und Geschäftigkeit seines neuen Lebens schien er ganz plötzlich von seinen früheren Hoffnungen, seinen früheren Gedankengängen und Sorgen wie abgeschnitten. Sie fielen von ihm ab. Selbst die Erinnerung an sie verblaßte Jahr für Jahr mehr. Er fragte an, woran seine Mutter gestorben war, und erhielt nach vielen Monaten die Auskunft: an einem bösartigen Fieber. Er beugte das Haupt, zündete am Todestage das Jahrzeitlicht an und fand, daß ihr Bild in seinem Herzen Jahr für Jahr mehr zur Legende verblich. Er baute ein Haus. Er zeugte Kinder. Tobias wurde 1851 geboren, Samuel 1853, die zwei Mädchen, Bertha und Rosa, 1855 und 1858. Hannah erwartete keine Kinder mehr, und als im Jahre 1861 Jakob zur Welt kam, wurde er weniger mit Freuden als mit Verwunderung begrüßt. Das Leben wurde immer schwerer, immer komplizierter. Es wurde offenbar, daß der Gedanke, Mitteleuropa mit polnischem Kümmel zu überschwemmen, in mehr als einem Kopfe entstanden war. Und diese anderen Köpfe waren im Westen geschult und hatten praktischere Ideen als Bratzlawer. Agenten aus Berlin kauften den Kümmel in Polen an Ort und Stelle, von der Brennerei weg, und transportierten ihn

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