Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Das Judenviertel um 1860 [Mainz]
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 788 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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788 MENORAH Ludwig Bamberger Hausflur und wurde auch dort verkauft. Unter den Metzgern waren die Gebr ü der W e i ß, 11 i r s c Ii, L c k i s c Ii und die G c- I) r ü d e r G a n s, auf der Ros\ bekannt; der ältere der ,.Gänse" blies an den hohen Feiertagen ja Ii relang den Schofar. Schlossernleisler war J a k o b L e s e r, der Schürhaken und Kohlenschippeii herstellte, um sie dann auf den Märkten zu verkaufen; außerdem unterhielt er aus Liebhaberei eine Schafzucht. Ein anderer Schlosser, I s a a k S c h 1 o ß, verkaufte seine Erzeugnisse Dienstag und Freiing auf dem sogenannten Krempelniarkt hinter dem Thealer. Von Handwerkern sind noch zu nennen: die Schreinermeisler S a 1 o m o n und Sichel (letzterer war nur Kislenfabrikanl), Jakob L o r s c Ii, ein gesuchter und vielbeschäftigter Tapezicrermeisler, und der Gla.sermcisler II e r z o g. Die selbständigen Schuhmachermeister hießen: K a h n, Will s I ä d l und S i m o n W o 1 f f, der Begründer der heule weithin bekannten ersten deutschen Schuhfabrik; er halle damals seinen Laden Ecke Rochen- und Emmcransstraße. Der Brillenlieferant der Kehilla war Herr I s a a k M c l z g e r, der ebenfalls auf dem Krempelmarkl seine Brillen feilhielt. Der alle M o d d e 1 Bloch, wohnhaft im Reul, gegenüber der Synagoge, war der Geflügcllicferant und stets so mit Federn übersäet, daß er selbst halle gerupft werden müssen. Die Familie K o c Ii betrieb ein Milchgeschäft, während eine Frau Seh w a r z wahre Delikatessen von eingemachten Gurken in einem peinlich sauberen, mit Messingreifcn versehenen Zuber auf der Straße verkaufte. Zu erwähnen ist noch die Druckerei Herzog, Ecke Löwenhofgasse und Große Bleiche. Ferner wohnten noch im Viertel die Familien Bondi, Mayer, Schlesinger und Karl Lorsch. Außerhalb des Viertels bestand die 1830 gegründete Druckerei Mayer in der kleinen Emmeransslraße, wo sie sich heute noch befindet. Bei Bäckermeister P 1'a nn in der Margarethengas.se wurden vor Ostern die Mazzes gebacken. Das Stammhaus einer der ältesten Familien, der Familie Fridberg, befand sich in der Margarelhengassc 7. Theodor, Emil und Leo Fridberg waren Schirmmacher und Drechsler, erslerer, mein Vater, wohnle im Haus zum Roten Ochsen, Ecke Löwenhof- und Synagogengasse, während die beiden anderen Brüder ein Schirmgeschäft auf der Großen Bleiche betrieben. Als alteingesessene Familien, die aber zur damaligen Zeit schon außerhalb des Judenvierlels wohnten, sind zu nennen: Familie Ladenburg, Frankel, Reiling-Schmalkalden, Simon, Jourdan, Fulda, Rein ach und Oppenheim. Über die Gesundheit ihrer Mitbürger wachten als tüchtige, auch bei den christlichen Bewohnern in großem Ansehen stehende Arzte: Dr. Jourdan, Dr. Lebrechf und Dr. Fridberg. Die Rcchlsbcistünde waren zahlreicher vertreten als die Arzte. Als bedeutende Juristen sind zu nennen Levy I. Levy II und L e v it a, sowie Dr. Reinach. Als Kullusbeiimlen wirkten bei der Religionsgemcinde Herr Sänger als I. und Herr Wollncr als II. Kantor, letzterer war zugleich Schochel der Gemeinde. Der Pächter des berühmten Schaletofen s, JeukefTche Grün, versorgte mit sei-