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Menorah · 1927-12-01 · Heft 12 (Dezember 1927) · p. Seite 789

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 12 (Dezember 1927)
Article
Das Judenviertel um 1860 [Mainz]
Date
1927-12-01
Page
Seite 789 (sequence 5)
Language
German
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DAS JUDEN VIERTEL UM 1860 789 nein Backofen die ganze Gemeinde mit Schalet, Kugel- und Bohnensuppe usw. Freilag mittags wurden die Töpfe und Kröppen in den „Bau" getragen und dort der Obhut des Herrn Grün übergeben, Schabbes am Morgen wurden sie glühend heiß wieder abgeholt. Nohen dem erwähnten Schaletofen befanden sieh noch im sogenannten Bau das Gemeindehaus, ein Belsaal, Kassenräume, ein Frauenbad und Wohnungen für einige beamtete Ftnrnlien. Kin Tag vor dem Pesachfeste wurde im Bau zum Gaudium der jüdischen und christlichen Jugend das Chomez verbrannt. Ein wahrer Berg Brennmaterial wurde herbeigcS^ha/Tl und dann angezündet. Zu jener Zeit war allerlei Geld im Umlauf. Da gab es ganze und halbe Gilden, Sechskreuzerslücke, Groschen, Kreuzer, Pfennige und Heller, außerdem kursierten österreichisches und holländisches Geld, preußische Taler, 50-Pfennigstücke und Silbergroschen. Besonders beliebt war der kleine silberne Kreuzer, ebenso der kupferne, genannt „Gamaschenknopf". Wie mußten sich damals schon die Menschen plagen, um Geringes von dein sehr geschmähten Mammon zu verdienen. Ich erinnere mich des alten K a Ii n aus Kastel, der zusammen mit einem Kollegen namens Schlüssel aus Weisenau mit den1 lauten Ruf ..Nichts zu handeln?" die S^ßen durchzogen. Wie oft wurden diese Ämisleu aus reinem Übermut drei bis vier Treppen hoch hinauf gerufen, um wieder unverrichleter Sache abziehen zu müssen. Eines Falles erinnere ich mich noch sehr gut, den der alte Kahn meinem seligen Vater selbst berichtete: „Denk dir, Theodor, was nicf eben passiert is, so c Chutzpe! Ruft nier so e Klaffte aus dem dritten Stock zu, ich soll heraufkommen; ich steige die drei Treppen hoch und frage: Was gibt's zu handeln? Da sagte sie zu ihrem schreienden Kind1: Siehsle, das iss der Jidd', jetzt biste brav, sun$t nimmt er dich mit!" Eines Mannes möge am Schluß besonders gedacht werden, des berühmten Ludwig Bam berge r, Sproß einer Bankierfamilie, der im deutschen Vaterland und weit darüber --^ .yw ÜKU^'^p?%l"2 -w*» x>t» w:;* ■' m.' Q-n**»ttV~ ~:- ' "-3-~vmro sn>,"5 ■ V AcitlMc-. i . ' 'VA? vC.. «v?.-4.v 'dt* </»•'? ' . Jl-Wl. .—...^ iojiyöqux.., 'a : <Zie -iS&y Moses Kannstadt Deputierter der Gemeinde Mainz heim Großen Synhedrion (rSoy von Napoleon nach Paris berufen), Vorfahre des hier genannten Hon'che CannStadt hinaus als Parlamentarier bekannt war, für Recht und Freiheit kämpfte und von seiner Vaterstadt als Abgeordneter in das Zollparlament und in den Reichstag entsendet wurde. Sein besonderes Verdienst war die Einführung der neuen Währung nach dem Kriege von 1870/71. Ihn und viele, die hier erwähnt wurden, deckt längst die kühle Erde; der Erinnerung an sie dienen diese Zeilen. Denn das Judenviertel von Mainz halte wertvolle Menschen. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, daß in dem alten Judenvierlel heule nur noch eine verschwindend geringe Anzahl Juden wohnt. Sigmund Fridherg.

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