Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Ein Gang durch das Museum Jüdischer Altertümer
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 781 (sequence 15)
- Language
- German
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EIN GANG DURCH DAS MUSEUM 781 slahe, der durch den Vergleich mil dem anderen Werk für eine genauere Datierung wichtig gewesen wäre, ist leider nicht vorhanden. — Um 1800 und in den An lang des 19. Jahrhunderts sind zwei Aufsatzpaare zu datieren, von denen das eine einen merkwürdig unorganischen, aus Zopf- und Empireleileu zusammengestückelten Eindruck macht, während das andere, ein runder Kuppelbau mit dem Napoleonischen Adler (ein interessantes Zeitdokumenl!) als Bekrönung, vollkommen einheitlich konzipiert erscheint. Das letztgenannte Paar trägt keinerlei Markierung. Das erstgenannte zeigt am Schaft ein RK im Rechteck und den Feingehallsslempel 1-3. Das Mei.slerzeichen konnte ich nach IV nicht identifizieren. Trotz ihrer Stückelung im einzelnen sind die in ihrer Gesamtheit wohldurchproporlionieiicn, stark gegliederten und, wie die meisten Thoraaufsälze, reich mil Glöckclien behängten Türmchen des zweiten Paares von komposilionell durchaus befriedigender und einheitlich erscheinender Wirkung.— Die noch übrigen beiden Aufsalzpaare sind formal unbedeutend. Sie interessieren zunächst lediglich ob ihrer Beslempelung. Das eine, trotz seiner Primitivität von ausgesprochenem Rokokogepräge, ist am Schaftende mit dem Monogramm 1AR im Herzschild bezeichnet. Nach Rs Nr. 913 ist es in Joseph Anton Reidler aufzulösen, ein Augsburger Goldschmied, der 1744 Meister, 1703 Vorgeher und 1772 bis 1774 Geschaumeisler war. Das andere Paar, in den Formen eines Spilzhutes mit einem Glöckchen an der Spitze, ist von so außerordentlicher, wenn auch durchaus nicht formloser Einfachheil, daß eine Zeitbestimmung nach dem Slilchnraktor völlig unmöglich erscheint. Als Markierung zeigt es ein einfaches sechsspeichiges Rad ohne jede Einfassung, den Feingehaltsstempel 13 im Quadrat darunter und darüber ein H im Rund oder Längsoval, alle drei Zeichen voneinander getrennt. Das Rad ist in der angegebenen Form nach R:i Nr. 3330 als Mainzer Beschauzeichen für das Jahr 1701 und „auch später?" bezeugt, so daß man also zunächst auf Mainzer Arbeil schließen möchte. Nach R:t Nr. 4310 kommt es aber auch als Meislerzeichen in Nürnberg vor. Die Möglichkeit, daß wir es hier mit Nürnberger Arbeit zu tun haben könnten, isl nicht von der Hand zu weisen, indem sich nämlich das H, das viel eher den Charakter eines Jahresbuchslabens als den eines Monogramms trägt, nach IV Nr. 3779 tatsächlich als Markierung für die Jahre 1790 bis 1794 in Nürnberg wiederfindet. Die Thoradeuler sind sämtlich unbezeichnet und erheben sich ausnahmslos nicht über die gewohnle Durchsehni11squa 1 ität. Indessen repräsentiert wieder der 1705 gestiftete, große Becher des Krankenpllegevereins des älteren ein Kunstwerk von überaus respektabler Vornehmheil. Die Sliflungsumstände sind von Prof. Dr. Sa Held in seiner Schrill, Zur Kunde des Mainzer jüdischen Vereinslebens im 18. Jahrhundert, Mainz 1919. dargestellt. Die einfache, konische Grundform ist vollendet proportioniert und in ihrer leichten Schweifung nach außen mit selten feinem Taktgefühl durchgeprägl. Nur in seinem oberen Teile isl der Becher in Graviertechnik mit Ornamenten versehen. Auf der unteren Hälfte sind die Namen der Mitglieder des Vereins aus dem Jahre 170ö eingegraben. Sowohl aus der Gesamlform wie aus den Ornamenten ergibt sich ohne weiteres, daß der Becher älter ist als seine Stillung. Ein. Vergleich der außerordentlich fein gezeichneten Ornamentierung mil der roh eingekratzten späteren Gravur der Inschrift, die über die unleren Teile der Ornamentik zum Teil hinweggeführt ist, sagt dasselbe. Die Dekorationen, bestehend aus Kartuschen. Fruchtbündem, Blumen, Vögeln und groteskem Getier gehören noch vollkommen dem Molivenschatz der Spülrenaissance an. sprechen aber durch ihre größere barocke Fälligkeit für eine Entstehung des Kunstwerkes in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Auf dem Boden des Bechers ist als Bcschuuzeieh.cn ein Adler und als Meistcrzeichen ein AV, das jedoch eher auch als verbundenes AW gelesen werden kann, eingeschlagen. Der Adler ist in vorliegender Gestalt nach R3 Nr. 2004 als Frankfurter Beschaumarke für