Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Ein Gang durch das Museum Jüdischer Altertümer
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 779 (sequence 13)
- Language
- German
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EIN GANG DURCH DAS MUSEUM 779 Als Anhang geben wir noch einen kurzen Uberblick über das Silber der Gemeinde, das im Tresor des Gemeindehauses ausgestellt ist und als glänzende Ergänzung zu dem ritualkunstgewerblichen Teile des Museums der Besichtigung empfohlen werden muß. Es ist nur ein ganz geringer Bruchteil dessen, was einst vorhanden war. Das Material, bei dem wir alle seil dem Ende des vorigen Jahrhunderts entstandenen Gegenstände aus der kunstgeschichllichen Betrachtung ausscheiden, setzt sich zusammen aus 7 Thoraschildern, 7 Paar Thonmufsätzen, mehreren Thoradeutern, 3 Bechern, 1 Waschschüssel mit Kanne, 1 Kiddusch-Teller, 1 Chanukkaleuchlerchcn, 1 Gewürztürmchen, 1 Trauring und 1 Beschneidungsschälcheiv ). Das vornehmste und älteste Slück unter den Thoraschildern ist 1710 von der Beerdigungsbruderschaft gestiftet. Die historischen Umstände sind beroils von Prof. Dr. Salfeld als Anhang zu seiner kleinen Schrift. Hin Synagogenschmuck vom Jahre 17-59, Mainz 1919, veröffentlich!. Im Gegensalz zu allen übrigen Thoraschildern trägt die mit vollendetster Technik in filigranarlig durchbrochener Treibarbeit auf Samtgrund ausgeführte Tafel keinerlei symbolischen Schmuck. Im Zentrum ist lediglich das Schild mit dem Sahbainamen angebracht. Am unteren Rande der Muschel über dem Sabbat schild finden sich als Beschauzeichen das Mainzer Rad mit der Jahreszahl 1710 darüber in einem Schildstempel und das Meistermonogramni IPK im Queroval. Ein entsprechendes Beschauzeichen ist bei Rosenberg, ,.Dcr Goldschmiede Merkzeichen". H. Auflage (im folgenden zitiert als 11unter Nr. .'W28 angegeben. Das Meislerzeichen dürfte mit dem des ebendort unter Nr. .'>.'U4 verzeichneten Mainzer Goldschmieds Johann Peter Köhler, der 109S Meisler geworden und 17*2-1 gestorben *) Per Trauvinir und das Ii es eh n c i .1 u ntrss eh ü 1 eh en sind Eigentum des Vereins zur flicke .Jüdischer Alter- 1 inner in Mainz und nur der Ei tran/un<x wehren an dieser Stelle aufircfiilirt. Sie sind jetzt zusammen mit der oben beschriebenen. I'runkkrone in der Mittelvitrine der rechnen Schund wand des ÜVTuseums ausgestellt. ist, zu identifizieren sein. Die Ornamcntformen des wertvollen Kunstwerkes stimmen bis in die kleinsten Einzelheiten mit den von dem Mainzer Baumeister Caspar Herwarthel gleichzeitig gebrauchten Architekturdekorationen überein, die offensichtlich aus Österreich-Böhmen nach Mainz importiert sind. Selbst die Umrißbrechungen des Thoraschildes finden sich unter den Motiven Herwarthelscher Gebälkführungen, wie etwa in denen des Torhauses von Ilbenstadt in Oberhessen, wieder. — Zwei weitere, kleinere Thoraschilder sind unbezeichnet. Das eine ist laut Inschrift von Löh, Sohn des Vorstehers David Ullmann und seiner Ehefrau Edel, Tochter des Vorstehers Herz Levi Ginzburg 1739, das andere, ein vergoldetes Schild, von Joseph und Herz, Sohn des „verstorbenen" Jakob Reinach in Mainz 1767 gestiftet. Beide Schilder sind mit den zwei Säulen des Tempels, vier Kronen, von denen die oberste, die der Thora, zusammen mit dem Inschriflschild darunter, durch zwei Löwen gehalten wird, einer großen Muschel unten in der Mitte und drei Glöckchen dekoriert. In ihrer Grundform sind sie sich genau gleich. Nur die Ornamenlformen sind bei dein einen im Bandelwerk-, bei dem anderen im Rocailleslil gehalten. Sicherlich wurde das jüngere Werk nach dem Vorbild des älteren angefertigt, allerdings indem man seine Einzelausgestallung im neuen Zeitgeschmack veränderte. Ein größeres, birnförmig umrissenes Schild in Rokokoformen mit den Gesetzestafeln über dem Zentrum ist von dem Vorsteher Löh Lorch 1792 gestiftet. Eine offenbar iillerc Inschrift, die auf dem linken Inschril'tspiegel durchschimmert, ist jedoch 1752 zu lesen. Letzteres Dalum muß auch für die Entstehung des Schildes bestimmend sein, die zu dem späteren Dalum von 1792 unter keinen Einständen passen würde. Das Beschauzeichen der Silberarbeil ist völlig verdorben. Das Meisterzeichen kann als CVF. CDE, zur Not vielleicht als (.'AVK. in oben breiler werdendem Dreieck übereinandcrgeslelll, entziffert werden. Ein Meister Christian Wilhelm Kroll mit letztgenanntem Monogramm ist nach R3