Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Ein Gang durch das Museum Jüdischer Altertümer
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 778 (sequence 12)
- Language
- German
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778 MENORA H läppen zusammengestückt. Ein untrügliches Zeichen, daß wir es mit der Wiederverwendung ehemaligen Gewandmaterials zu tun haben. — Von den beiden mittleren Vorhängen, eleganten Seidenstoffen des 18. Jahrhunderts, die wieder offensichtlich französischer Herkunft sind, ist der linke, ein zweifarbiger, dunkelgrüner Stoff, aus dem Brautkleid der Frau des Mainzer Rabbiners Temele Scheur, der Rabbinertochler Bella Ulitz aus Bamberg, gestiftet. Sie war die Mutter des bekannten Rr.bbiners Herz Scheur und die Slammmuller der Familie Bondi in Mainz. Am unteren Rande des Vorhanges ist die Wimpel ihres Urenkels Jonas Bondi angeheftet. — Als letzter Vorhang der linken Sehmalwand ein dezent gemuslerter, grüner Seidendamasl, eine Stiftung von Löh Schuster aus Frankfurt am Main und Frau geb. Lcvi aus Mainz aus dem Jahre 1764. Die Musterung des Stoffes ist durchaus bezeichnend für den Lyoner Seidenstil der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nach Ansicht des Herrn B. Ganz wäre hier jedoch auch deutsche Arbeit möglich, im besonderen vielleicht ein Erzeugnis des niederrheinischen Fabrikalionszenlrums Crcfeld, wo ja die Vorbilder der überragenden französischen Manufaktur bis zum Verwechseln nachgeahmt wurden. Von den Vorhängen der Fenslcrwand interessiert künstlerisch nur der von Mendel Innsbruck und Frau und seinem Schwiegersohn Salomon Weslenburg 1794 gestiftete in besonderein Maße. Fs ist ein vielfarbig broehierler französischer Seidenstoff mit unsymmetrischem Baldachin- und Blumcnkorbmusler aus der Zeil um 1709. Ein anderer Vorhang, von 1828. trügt die unterhaltsame und bezeichnende Inschrift: ..Diesen Vorhang gab die Ehefrau von Samuel Emden ihrer Tochter, die ihn ihrer Tochter erster Ehe Obcrursel geb. Günzenhausen, übergab, welche ihn stiftete an die Gemeinde Mainz." Das im Vergleich zum Stiflungsdalum bedeutend höhere Alter des Stoffes dieses Vorhangs, wie überhaupt das der meisten besprochener. Thoravorhänge, ist durch dieses allgemein anwendbare Beispiel aufs beste erklärt. Während die Vorhänge an den Wänden sämtlich für die Mainzer Gemeinde gestiftet waren, stammen die in der kleinen, drehbaren Zwischenwand am Fenster befestigten aus benachbarten Landgemeinden. Sie sind in weit größerem Umfange als die Mainzer aus mehreren kleinen Stücken zusammengesetzt und dürften, wie ja auch verschiedentlich überliefert, zum Teil aus den Brautkleidern ihrer weiblichen Stifter hergestellt sein. Die verwendeten Stoffe gehören wohl in der Hauptsache dem 18. Jahrhundert an. Von besonderer Merkwürdigkeit sind ein aus Stadecken in Rheinhessen stammender Vorhang, ein blaßgriiner Seidendamast mit silbernen und hellfarbigen Brochierungen, der in seiner Musterung wieder durchaus japanisch anmutet, aber seiner Technik nach wohl genau so wie die oben genannten beiden Vorhänge an der linken Schmalwand aufgefaßt werden muß, und ein von dem Vorsteher Nathan Maas 1744 der Gemeinde Weisenau gestifteter Vorhang aus gold- und silberdurchschossenem blaßgelben Seidendamast, der ebenfalls wieder stark exotisch bestimmtes Gepräge aufweist. Schließlich muß noch ein kleines Thoramäntelchen hervorgehoben werden, das unter den Vorhängen der rechten Sehmalwand aufgehängt ist und schon seiner hervorragenden Verfassung nach zum erfreulichsten gehört, was die Textiliensammlung des Museums zu bieten hat. Es ist einer jener eindrucksvollen Seidenstoffe mit ..Spilzenmusler"', ein Silberbrokal mit weinrotem Grund, wie sie um 1700 und zu Anfang des 18. Jahrhunderts in Frankreich, hauptsächlich in Lyon hergestellt worden sind und als Kompositionen hoher sc h öp f e ri sch k ü n s t le ri seh er E r i in d u ng sk ra f t mit rai'Mnicrlcsler kunstgewerblicher Köstlichkeit im Detail bisweilen den bildhaft produktiven Grundwerl einer Raum- und Tiefenillusion verbinden, der in der Mannigfaltigkeit seiner Auswirkungen Gebilde von einer an Tausend-und-Eine-Nachl gemahnenden, märchenhaft urwaldmäßigen Phanlaslik hervorbringt.