Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Ein Gang durch das Museum Jüdischer Altertümer
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 776 (sequence 10)
- Language
- German
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776 M ENORAH ebensolchen in Mainz ansässig gewordenen Spaniolen angefertigt oder zumindest durch die von diesen eingeführten Traditionen in ihrer Vorlage bestimmt worden sind. — Die beiden letzten Vorhänge der rechten Schmalwand, gestiftet von Frau Isaac H. Reinach geb. Orschcl 1783 und von Seligmann Seligenstadt und Frau gel). Ladenburg 1792 sind weniger problematisch. Inhaltlich interessant ist, daß hier die als Inschrifltafeln ausgestalteten Millelstücke, wie auch schon bei dem Vorhang von 1749, von zwei Säulen, den Säulen des Tempels, flankiert werden, während zu den drei Kronen des Überhanges noch eine vierte Krone über der Inschriftlafel, die Krone des Guten Namens, hinzutritt. Besonders imponierend trotz seines neueren Samtgrundes wirkt der Vorhang von 1792, dessen fein und exakt ausgeführte Applikalionsstickereien, vor allem die schlanken, weinlaubiimwundenen Säulen mit den eleganten Zopfvasen auf dem Gebälk, im Gegensatz zu den meisten Dekoralionsformen der Vorhänge durchaus im modernsten Geschmack ihrer Enlslehungszeit erfunden sind. Bei allen übrigen Vorhängen des Museums treten die Stickereien hinler dem Werl und der Bedeutung des Materials der Vorhänge selbst, zu dem nun nicht mehr glatter Samt, sondern reichgemuslerlc Seidenstoffe, Damaste und Brokate verwendet sind, zurück. Sie bestehen nunmehr fast ausschließlich aus einer oder drei Kronen und dem Zenlralfeld mit der Inschrift, welch letztere allerdings besonders, bei liebevoll stilisierender Durchbildung, in den meisten Fällen eines hohen dekorativen Reizes nicht entbehrt. Die Vorhänge der Eingangswand sind durchweg zu Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts gestiftet. Auch die Stoffe, aus denen sie gefertigt sind, weisen sich zu ihrem größten Teile als Erzeugnisse der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus. Meist handelt es sich um zartfarbig broehierle glatte Seidenstoffe oder Damaste, in Taflet, Kellnllas und in Ripsbindung mit duftig verstreuten Blumenzweigen oder Bukollen, die oft durch schmale Längsbänder zusammengehalten werden (Streifenmuster), oder auch um schwerer gearbeitete, eng und stark gemusterte Brokate. — Am prunkvollsten sind die drei letzten Vorhänge rechts an der oberen Wandhälfle. Der erste von links, ein ripsartig gebundener, brochierter Seidenstoff mit gewellten Längsbändern und Blumenbukellen ist 1798 von der Tochter des .,verstorbenen" Vorstehers Samuel Emden gestiftet, aber ganz offensichtlich einige Jahrzehnte früher, vielleicht rund um 17(50, und zwar in Frankreich (Lyon?) hergestellt worden. Der mittlere, über dem Eingang befindliche Vorhang, eine Stiftung des Michel Cahn und seiner Frau geb. Ladenburg von 1789 ist einer der glanzvollsten und erfreut zunächst schon durch seine vorzügliche Erhaltung. Der üppig mit symmetrisch angelegten Blumenkränzen und Buketts von plastischster Wirkung gemusterte, vielfarbige BrokatstofT ist ebenfalls um ein bedeutendes früher anzusetzen und gibt sich unschwer als Lyoner Arbeil aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhundeiis zu erkennen. Der dritte Vorhang, gestiftet von M. Innsbruck zur Erinnerung an seine Frau geb. Orschel 1791, zeigt von Blumenkränzen u m sch 1 o s sc n e, ro ni a n t i sc h - a n l i k i sch e Architekturstücke und dürfte als französische Arbeil um die Mitle dos 18. Jahrhunderts zu best immen sein. — Von den weniger bedeutenden kleineren Vorhängen fällt ein von Moses Levi und Frau gestifteter auf wegen eines thronenden Buddah und anderer Chinoiserien, die in an sich nicht sehr vollendeter Slicklechnik auf die Inschriftlafel aufgenäht sind. Ein anderer Vorhang interessiert ob der amüsanten Tatsache, du Ii er von der „Wöchnerin Sender zum Gedenken ihres verstorbenen Mannes", wahrscheinlich aus dem Brautkleid der Stifterin, geschenkt worden ist. Von den Vorhängen der linken Schmalwand erregen die beiden ersten von links weniger durch auffällige Farbenpracht und Reichtum der Ausstattung als durch die Eigenart ihrer Musterung, in der sie sich von allen bis jetzt betrachteten Stücken des Museums wesentlich unterscheiden, unsere besondere Aufmerksamkeit. Sie sind von Feist Hamburg