Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Ein Gang durch das Museum Jüdischer Altertümer
- Date
- 1927-12-01
- Page
- 775 (sequence 9)
- Language
- German
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Ecke aus der historischen Sammlung des Vereines zur Pflege jüdischer Altertümer den gewesen und in seiner heutigen Funktion lediglich wiederverwendet worden ist. Dieser Annahme widerspricht jedoch die Tatsache, daß das ohere Dekorationsstück, das mit dem unteren in der Technik genau übereinstimmt, sowie eine zwischen den beiden Stücken in ihrem Gesamtumriß auf den Samtgrund applizierte Blumenvase als Stickgrund einen vielfarbig brochierlen SeidensloiT aufweisen, der ganz unverkennbar dem fortgeschrittenen 18. Jahrhundert angehört. Wir werden also nicht fehlgehen, wenn wir trotz aller scheinbar widersprechenden Anzeichen die Arbeil als Gesamtwerk ins 18. Jahrhundert datieren, indem wir eben annehmen, daß es sich um jüdische Hausstickerei handelt, bei der uralte, von Generation zu Generation vererbte und überkommene Vorlagen immer wieder benutzt und nachgeahmt wurden. — Auch an den beiden nächstfolgenden Vorhängen, von denen der eine von Löh Lorch und Frau 1775, der andere von Löh Ulme und Frau geb. Günzberg 1749 gestiftet ist, fallen die großen, rechteckigen, rein dekorativ bedeutsamen Zierstücke, die das Zentrum der ornamentalen Aufteilung der Vorhangüäehe ausmachen, aus dem geläufigen Formenrepertoire der Zeit und des Ortes in auffälliger Weise heraus. In der Gleichförmigkeit ihrer Musterung und der Art ihrer Phanlastik muten sie osmanisch, besser vielleicht spanisch-maurisch an. In der Technik jedoch, bei der sich Reliefstickerei in Applikalions- und Sprengarbeil mit gewöhnlicher Pia ttsticklechnik mischt, gehen sie unbedingt wieder mit den sicher zeitgenössischen und sehr wahrscheinlich am Sliftungsort entstandenen Umrandungsdekorationen zusammen. Wie wir wissen, haben die aus Spanien vertriebenen Juden, die sogenannten Spaniolen, die neben ihren Hauptniederlassungen in der Levante auch überall andernorts Unterkunft gefunden hatten, an der Sprache und den Gewohnheilen ihres Heimatlandes mit außerordentlicher Zähigkeit festgehalten. Fs liegt daher nahe, zu vermuten, daß die fraglichen Slickereidekorationen von