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Menorah · 1927-12-01 · Heft 12 (Dezember 1927) · p. Seite 774

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 12 (Dezember 1927)
Article
Ein Gang durch das Museum Jüdischer Altertümer
Date
1927-12-01
Page
Seite 774 (sequence 8)
Language
German
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774 MENORA H falles und des Pessach-Lammes, zwei Sederdecken aus farbig brochierter Seide und dunkelgrünem Damast des 18. Jahrhunderts und eine mit szenenreichen, handkolorierten Kupfern geschmückte, zu Amsterdam 1695 gedruckte Pessach-Haggadah, laut Namenszug auf der Titelseile einst der Familie Dernburg in Mainz gehörig. Die für das Raumgepräge des Museums so überaus wichtigen messingenen Chanukkaleuchter und das Vorbeterpult sind oben schon erwähnt worden. Der Leuchter in der Nähe der Fenslerwand ist der imposanteste und künstlerisch vollendetste, doch leider weder durch Inschrift noch durch Überlieferung für eine bestimmte Zeit oder einen ursprünglichen Stifter festgelegt. Seinem stilistischen Befunde nach gehört er ins 17. Jahrhundert. Der zweite Leuchter in der Niihe der Eingangswand, in den verderbteren, wenn auch immer noch eindrucksvollen Formen des späteren Messinggusses gebildet, ist laut Inschrift eine Stiftung des Michael, Sohn des Benedikt Gahn aus dem Jahre 1791. Das Vorbeterpult weist sich durch seine pfropfenzieherartig gedrehten Füße ganz allgemein als Barockarbeit aus. Die Decke, die es ziert, gestiftet von dem Sohne des Vorstehers A. A. Hb. u. L. (Hamburg) und seiner Frau geb. Friedberg 1768, ist ein farbig brochierter französischer Seidendamast aus der Zeit nicht lange vor der Stiftung. — Zum Schluß sind noch zwei Bruchstücke einer Stuckdecke zu nennen, die unter den Vitrinen der linken Raumhälfle untergebracht sind. Sie stammen aus dem kürzlich abgerissenen sogenannten Ladenburgschen Hause in der Vorderen Synagogengasse und bekunden einen Dekorationsstil, wie er, aus dem südostdeutschen Kunstkreis (Wien, Prag) eingeführt, zu Anfang des 18. Jahrhunderts mehrfach in Mainz gepflegt wurde. W^ir kommen nun zur Betrachtung der Thoravorhänge, die ihrem allgemein bedeutsamen kunstgeschichtlichen Werte nach eine sehr viel eingehendere und vollständigere Behandlung verdienen, als ihnen an dieser Stelle gewidmet werden kann. Es ist zu hoffen, daß einmal eine exakt detaillierte, mit reichem Abbildungsmaterial ausgestaltete wissenschaftliche Veröffentlichung die Schätze heben und einem breiteren Publikum von Kunstliebhabern und Gelehrten als Gabe höchsten Nutzens zur Verfügung stellen wird. Von den Vorhängen der rechten Schmalwand sind die drei dem Fensler zunächst befindlichen die interessantesten. Der erste Vorhang ist 1761 (das Dalum ergibt sich einwandfrei, wenn man die vier fehlenden Punkte über den zu zählenden Buchstaben nicht übersieht) von Moses Levi gestiftet und zeigt auf einem Grund von verschiedenfarbigen Samten Reliefslickereien in Applikations¬ und in Sprengtechnik von einer ganz außerordentlich hohen Plastik. Den Hauptschmuck bilden zwei große, viereckige, rein dekorativ ausgestaltete Stücke, die mit Körben, aus denen Früchte und Blumen hervorquellen, pickenden Vögeln und zarterem Rankenfüllwerk bestickt sind, und von denen das untere als das weitaus bedeutendste und prachtvollste unser besonderes Interesse erregt. Auf dem Überhang finden sich, wie bei den meisten Thoravorhängen, Darstellungen der drei Kronen, der Krone der Thora, des Priestertums und des Königtums, die der Thora, getragen von zwei Cherubimflügeln, und der heiligen Geräte des Tempels, der Gesetzestafeln, des Brunnens, des Tisches mit den Schaubroten, des Feueraltars und des siehenarmigen Leuchters. Zu seilen des oberen Dekorationsstückes sind in liegender Stellung zwei Löwen angebracht, die Löwen Judas. Die kunstgeschichtliche Situation der Stickerei, besonders des unteren, wertvollsten Dekorationsstückes, ist nicht ohne weiteres klar. Letzteres macht zunächst den Eindruck einer Entstehungszeil, die von dem Stiftungsdatum des Vorhanges sehr weit entfernt ist. Unwillkürlich denkt man an Italienisches, an den Schatz von Motiven und den plastischen Reichtum, wie sie in Venedig in der barocken Spätrenaissance zu Ende des 16. und zu Anfang des 17. Jahrhunderts Mode waren. Man möchte es also für möglich hallen, daß dieses unlere Stück bei Herstellung des Vorhanges schon vornan-

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