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Menorah · 1927-12-01 · Heft 12 (Dezember 1927) · p. Seite 773

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 12 (Dezember 1927)
Article
Ein Gang durch das Museum Jüdischer Altertümer
Date
1927-12-01
Page
Seite 773 (sequence 7)
Language
German
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EIN GANG DURCH DAS MUSEUM 7 73 derls. Das qualitativ recht anständige Kunstwerk trägt das Beschauzeiclien von Mainz, ein scehsspcichigcs Rad mit dem Feingehaltszeichen 13 darunter in einem Stempel, und das Meisterzeichen AR im Rechteck. Nach der liebenswürdigen Mitteilung des Herrn Oberarchivars Dr. W. Diepcnbach in Mainz ist auch ein Goldschmied namens Andreas Roth zu Ende des 18. und zu Anfang des 10. Jahrhunderts in Mainz nachweisbar, auf den wir unser Meislerzeichen mit höchster Wahrscheinlichkeil beziehen dürfen. Im ,,Rcgislre Civique de la Ville de Mayence 1807" wird er zum letztenmal, und zwar als 59jährig, aufgeführt. Leider sind weitere Arbeiten dieses Künstlers bis jetzt noch keine bekannt. — Hinter der Primkkrone treten die kleineren und weniger glanzvollen Erinnerungsstücke selbstverständlich zurück. Es finden sich ein Scholar, mehrere Kameoth aus bestickter Seide des 18. Jahrhunderls, zwei Thoradeuler aus Holz und Zinn, ein Gebetbuch in Leder gebunden mit hübschem Silberbeschlag, zwei Almosenbüchsen in Rokokoformen, laut Inschrift gestiftet von Herz, Sohn des Joseph Ganz Hannover 1747, Siegel des Obererzslifles und der Gemeinde Mainz, ein 171-1 beginnendes Memorbuch aus Ostrich im Rheingau, ein grolkvs auf Pergament in Sulzbach 1709 gedrucktes Gebetbuch in zwei Bänden, laut Widmung gestiftet von Isaac, Sohn von Joseph, Enkel von Samson Werlheim, eine fein geformte Krislallflasche, zwei elegante, gold und schwarz bemalte, mit stark ornamental wirksamer Inschrift gezierte Porzellanlassen des Gemeindepräses Borch und seiner Frau aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderls, und zwei reichgearheilelc silberne Brautgürlel. von denen einer zum Teil vergoldet und besonders kunstvoll durchgebildet ist, aus dem 17. und 18. Jahrhundert. — Resonderen Reiz gewähren noch vier weitere kleine Silberarhei- 1en, ein Schabbesbecher, zwei Gewürzkäslcheii und eine Bessomimhüchse, die allesamt dem 18. Jahrhundert angehören. Der Schabbesbecher, in geschwungener Kelch form mit getriebenen und gravierten Bandclwerkverzierungen ausgeführt, ist Augsburger Arbeit und in der ersten Hälfte des Jahrhunderts entstanden. Er Irägt das Meisterzeichen MK im Rechleck. Die Bessomimhüchse ist ebenfalls Augsburger Arbeit und sowohl nach ihren unornamenlierten, barock gebauchten und gebrochenen Formen, wie nach der Gestalt des Beschauzeichens ganz in den Anfang des Jahrhunderls zu datieren. Das eine der beiden Gewürzkästchen ist unbezeiehnel, kann aber nach der Form seiner Rocaillcornamentik leicht in die Sechzigerjahre gesetzt werden. Das andere Gewürzkäslcheii ist ob seiner Einfachheit schwer genauer zu datieren. Es ist mit dem Feingehaltszeichcn und den barocken Kursivbuchstaben LH bezeichnet. — Eine originelle Ziesenhausener Tongruppe, betitelt ,,Sabbalhvorbereilung", erfreut als einziges plastisches Denkmal der Sammlung durch die Einzigartigkeit ihres Entwurfes, ihre ungezwungene Komposition und die überzeugende Charakteristik ihrer Typen. Der Inhalt der dritten und letzten Vitrine an der rechten Schmalwand besieht durchweg aus Rituatgcgcnständen der Sederfeier. Am bemerkenswertesten sind drei große Zinnsehüsseln. Die eine ist 1750 datiert und mit dem etwas bäuerlich, aber dennoch recht lustig und dekorativ gravierten Bilde des Sündenfalles geschmückt. Das Material ist besonders feines, silberglänzendes, sogenanntes Englisches Zinn, das auf der Rückseite der Schüssel durch das Qualitätszeichen eines Engels mil Schwert und Wage als solches markiert ist. Die Innenseile der zweiten'Schübe' : ■ <n dekorativer Aufteilung vollkommen mit Inschriften bedeckt. Sie enthalten eine Disposition für die Sederfeier, einen diesbezüglichen Bibelvers und die Angabe, daß das hübsche Erzeugnis der Zinngießerkunst von dem unverheirateten Abraham Ellingen aus Fürth am 2. Tag der Woche am Rüsltag des Neumonds Nisson'k im Jahre 1797 hergestellt worden ist. Die dritte Schüssel isl 1700. datiert und wie die zweite und erste mit der Q)ualitälsmarke eines Engels mit Schwert und Wnge bezeichnet. — Des weiteren enthält die Vitrine ein mil liebenswürdiger Naivität überreich bemaltes Sederhandtuch mil Darstellungen des Sünden-

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