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Menorah · 1927-12-01 · Heft 12 (Dezember 1927) · p. Seite 769

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 12 (Dezember 1927)
Article
Ein Gang durch das Museum Jüdischer Altertümer
Date
1927-12-01
Page
Seite 769 (sequence 3)
Language
German
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EIN GANG DURCH DAS MUSEUM 7G9 los eingehend zu illustrieren. Es entsprechen sich an den Ecken, zu je zweien geordnet, vier Photorahmen mit Ansichten der Vorderen und Hinteren Synagogengasse, des 1662 auf Dekret des Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn gegründeten Ghettos, und ihrer kunslgeschichtlich bedeutsamen Einzelheiten sowie der Synagogenbaulen des 19. Jahrhunderls, der 1853 von Reg.-Baumeister Op(ermann vollendeten Hauplsynagoge und der 1877 von Stadtbaumeister Kreissig fertiggestellten Synagoge der Religionsgesellschaft und anderer ritueller und Gemeindegebäul ichkeilen, des Frauenbades, des Schulhauses und der Synagoge des 1693 gegründeten und 1758 reorganisierten Krankcnpflegevereines der Alleren. — Jeweils unter den Pholorahmcn hängen die Kopien zweier großer Planzeichniingen. von denen die eine den Entwurf eines außerordentlich eleganten und zweckmäßigen Frauenbades darstellt, der 1811 unter der Franzosenherrschaft auf behördliche Verfügung des Deparlemenlspräfektcn von dem Architekten Henrion gefertigt wurde, während die andere, ein selten instruktiver Plan des Judenquarliers. 1813, also ebenfalls linier der Franzosenherrschaft, hergestellt worden ist, und zwar als Orienlierungsplan, an Ilanden ('essen man sich über den geeignetsten Platz für den Neubau einer Synagoge mit Frauenbad im Souterrain vergewissern wollte, da die; bestehende Synagoge; ihrer 1'iir das Hospital beengenden Enge wegen zum Abbruch bestimmt war. — In der Mitte zwischen den Planzeichnungen gewähren vier Aquarelle, von denen jedoch drei sicher nicht aus der Zeil, /v\ ei sogar vollkommen neu (nach in Familienbesilz befindlichen Originalen) kopiert sind. lebendigen und farbenfrohen Einblick in die Ereignisse des Ghettos. Dargestellt sind ein Purim fest in der Hinteren Synagogengasse (1685), eine Judenhochzeit, ebenfalls in der Hinteren Synagogengasse (1690), der Begräbniszug eines Rabbiners am Eingange der Vorderen Synagogengasse (1710) und die historisch so epochal symbolische Niederreißung des Ghetlotores, die ein muliger Privatmann namens Moisc Cahn schon vor der Veröffentlichung des oben erwähnten Erlasses der Munizipalverwallung unter Ermunterung eines französischen Hauptmannes und unter Beihilfe eines französischen Sappeurs am 11. September 1789 auf eigene Faust bewerkstelligt hafte. —^ Eine kleine kolorierte Federzeichnung gibtdic Judenwache im Jahre 1858 mit dem österreichischen Militär. Das dokumentarische Belegmalerial zur Gemeindegeschichte des 19. Jahrhundeiis beherbergt eine vierte Vitrine, die frei vor den drei erstgenannten im Räume aufgestellt ist. Eine Reihe von Urkunden beleuchten die jüdischen Zustände während der Belagerung und der Franzosenherrschaft. Ein Exemplar der Mainzer Zeitung vom 15. Oktober 1805 berichtet von der Aufhebung des Judenzolles. Wichtig ist auch eine Eingabe um Abschaffung des Moralpatenls vom 12. Juni 1833, die mit fünf bekannten Mainzer Namen unterzeichnet ist. Die hübsche biedermeier-klassizistische Erfindung eines Entwurfes des jüdischen Leichenwagens aus dem Jahre 1831 ist kunslgeschichtlich interessant und anregend. Den Hauptbesland des Materials bilden die Belege zu dem Kampf der Rabbiner Lehmann und Aub, der schließlich im Jahre 1853 zur Scheidung in zwei Synagogen und zur Gründung der Religionsgesellschafl führte. Eine bezeichnende Rolle in dieser Angelegenheit spielt die Prolesleingabc der geselzeslreuen Juden gegen Einführung der Orgel in der Hauplsynagoge vom Februar 1848, an der wieder die Fülle von Namensunlerschriflen dem familien- und lokalgeschichtlich interessierten Betrachter willkommenen Aufschluß und Unterhaltung gewähren dürften. Von der Fensterwand, und zwar von der Innenkante des linken Fenslers aus ist eine kleine Zwischenwand in den Raum vorgebaut, der an der Innenkante des rechten Fensters ein Gestell mit drehbar aufgehängten kleineren Thoravorhängen, auf die unlen besonders zurückzukommen sein wird, entspricht. An der Außenseile trägt die Zwischenwand einen ziemlich umfänglichen, primitiv in plastischer Aufsicht gezeichneten, aber eben in seiner Unbeholfenheil recht liebenswürdigen

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