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Menorah · 1927-12-01 · Heft 12 (Dezember 1927) · p. Seite 770

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 12 (Dezember 1927)
Article
Ein Gang durch das Museum Jüdischer Altertümer
Date
1927-12-01
Page
Seite 770 (sequence 4)
Language
German
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770 MENORAH Plan des jüdischen Friedhofes vom Jahre 1759, dekoriert mit der Allegorie der Gerechtigkeit und den Gestalten Mosis und Aarons. Einige impressionistische Rölelzeichnungen darüber geben die Situation und die Stimmung des wiederhergestelltem ältesten Mainzer Judenfricdhoi'cs, des sogenannten ,,Denkmalfriedhofes", jener eigenartigen Verbindung von Museum und heiliger Gedächlnisslälle. — An der Außenkante der Zwischenwand ist unter doppelseitiger Verglasung die älteste Handschrift des Museums angebracht. Es ist ein dem 14. Jahrhundert angehöriges, auf Pergament geschriebenes rabbinatliches Rechlsgutachten in Ehesncbcn, das als Einband einer Gemeinderechnimg des 18. Jahrhunderts aus Hechtsheim bei Mainz wiederaufgefunden, worden ist. — An der Innenseile der Zwischenwand und der im leren Hälfte der Fensterwand hängen Porträts der geistigen Ahnen der Gemeinde, prachtvolle Köpfe des alten Moses Cannstadt, der als Abgeordneter der Mainzer Gemeinde auf dem von Napoleon insinuierten Sanhedrin in Paris fungierte, der Rabbiner Lehmann und Aub und anderer mehr, besonders anziehend auch der aristokratische Charakterkopf des Abraham Furtado, des Präsidenten des Napoleonischen Sanhedrins. Die Angelegenheit des Sanhedrins wird noch illustriert durch eine Wiedergabe der auf der Stadtbibliothek verwahrten Berufungsurkunde des Rabbiners Seligmann Landau als Mitglied der Versammlung. Eine kuriose, bunlkolorierle Lithographie, eine napoleonische Veteranentafel mit dem Bilde des Mainzers Isaac Herz in Uniform als Mameluck soll nicht vergessen werden. Dieser Fülle von mehr oder minder rein historisch bedeutsamen Sammlungsgegenständen steht ein Reichtum an nicht allein geschieh llich als besonders auch kunstgeschichtlich Wichtigem gegenüber, dessen selten erreichter Höhepunkt, wie oben schon angedeutet, durch die wundervolle Gruppe der Thoravorhänge gebildet wird. Aber auch unter den kleineren und unscheinbareren Objekten der Darbietung und der sammlerischen Fürsorge leuchtet uns manches erkennlnis- und genußversprechende Schaustück entgegen. In der Ecke zwischen der Fensterwand und der rechlen Schmalwand sind zwei für die Fleischküche bestimmt gewesene und als solche durch Inschrift bezeichnete Zinnteller angebracht, von denen der eine, durch reiche Gravierung hervorgehoben, 1801 datiert ist. Von den drei Vitrinen, die an der rechten Schmalwand aufgestellt sind, enthält die den Fenslern zunächst stehende Werke der Schreibkunst. Bemerkenswert sind eine Hymnenschrift (Schir-hajichud), hergestellt von Samuel, Sohn des Mordcchai 1773, eine für Mainz gefertigte Haftararolle von 1702 und zwei Megilloth-Esther, von denen die eine, wohl ebenfalls dem 18. Jahrhundert ang?- börig, in minutiösester Kleinheit geschrieben, ein kalligraphisches Bravourstück darstellt, wie man es selten finden dürfte. Hauptsächlich der Sonderbarkeit des Falles wegen mag auch ein kreisrundes, aus Weisenau bei Mainz stammendes Handschriflenfragment hier angeführt werden, das von einem französischen Tambour als Trommelfell aus einer pergamentenen Haftararolle herausgeschnitten worden war. Das Köstlichste an kunstgewerblichen Antiquitäten kleineren und mittleren Umfanges birgt die hochformatische, in mehrere Etagen eingeteilte Miltelvitrine. Da ist vor allem als eindrucksvollstes und tonangebendes Stück eine mächtige, silberne, zum Teil vergoldete und mit farbigen Steinen besetzte Prunkkrone. Ihre Grundform ist noch durchaus die der Kronen des hohen Rokokos um die Mitle oder im 3. Viertel des 18. Jahrhunderts. Indessen weisen die geringe Schwingung ihrer Ausbauchungen, die Einfachheit ihrer Einzelformen und am eindeutigsten die gegossenen Dekorationen des Kronreifes, besonders die vollendet klassizistischen Ovalrosetlen, welche die wappenhaltenden Löwenpaare unler den Bügeln ablösen, auf eine wesentlich spätere Entstehung zu Ende des 18., möglicherweise sogar schon, wenn man die Verspätungen der kunstgewerblichen Stilüberlieferung mit in Betracht zieht, zu Anfang des 19. Jahrhun-

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