Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1927-12-01 · Heft 12 (Dezember 1927) · p. Seite 762

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 12 (Dezember 1927)
Article
Die israelitische Gemeinde Mainz in der Neuzeit
Date
1927-12-01
Page
Seite 762 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2912821-2912866-2912878-2921070--05935-2921241
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

762 MENORAH Rabbiner Dr. E. ß. Cahn Ordnung wurde erlassen, Schuleklopfen aufgehoben, die Vorsänger funk lion in der großen Synagoge auf die angestellten Vorsänger beschränkt, die Mitwirkung von Beisängern aufgehoben und Knabenchor eingeführt. An Stelle der Versteigerung der Mizwolh trat ein turnusmäßiger Anspruch der Mitglieder. Das am Morgen des Hochzeitstages übliche Mahngehen wurde aufgehoben, sämtliche Trauungen mußten von nun an in einer der Synagogen auf dem Almemor stattfinden, während bis daliin die Trauungen niemals in der Synagoge, sondern im Hofe derselben erfolgten. Der mit der Synagogenordnung festgesetzte, in deutscher Sprache abgefaßte und von der herkömmlichen Form abweichende Segen für den Großherzog ist vom Vorsitzenden redigiert worden. Barmizwahknaben durften künftig nur noch einen Abschnitt aus der Thorah selbst vorlesen. In der Synagogenordnung wird das „Vermummen" zur Übernahme synagogalcr Funktionen als nicht erforderlich erklärt, die Abhaltung von PrivatgebetVersammlungen und von solchen unter freiem Himmel als durch Staatsgesetz verboten erklärt und Zuwiderhandlung mit Anzeige bei der Lokalbehörde bedroht. Hierzu sei bemerkt, daß auch der frühere Vorstand Privatminjanim bekämpfte und daß nur das des früheren Oberrabbiners behördlich genehmigt war. Zu Großherzogs Geburtstag 1831 wurde — „um der Gemeinde den Vorgeschmack eines besseren Kultus zu geben" —, Dr. Mich. Creizenach-Frankfurt eingeladen, die Festpredigt zu hallen. In seiner zusagenden Antwort fragte G. beim Vorsitzenden an, ob er mit Hut oder Barett, mit oder ohne Tallilh predigen solle und bemerkte, das sind nicht unwichtige Fragen, über die Du dich zu beraten hast, denn es ist bei allen ffcsS1? j^r^l Wenn 2^ 1 (der Babbinatsverweser) das Gebet für den Großherzog halle, dann werde er für sich ein Gebet aufsetzen und es nach der Predigt hallen. Die C'sehc Predigt wurde gehalten, mit einem Vorwort des Vorsitzenden gedruckt und dem Großherzog ein Exemplar übersandt. Der frühere Vorstand hatte bereits besoldete Leichenlräger angestellt und Dienstkleidung für diese angeschafft. Im Jahre 1831 wurde ein Leichenwagen angefertigt und das Tragen der Leichen verboten. Nach Ansicht der die Bruderschaften (Confreries) und Kongregationen verbietenden Gesetze wurde mit einer erlassenen Friedhofsordnung zugleich die BeerdigungsbruderschafL die auch kleine Kinder unterrichten ließ, unter der ausdrücklichen Zustimmung ihrer sämtlichen Mitglieder und mit Genehmigung der Provinzial-Begierung aufgehoben und das Vermögen derselben von der Gemeinde eingezogen. Lebhafter Widerspruch machte sich gegen diese Neueinrichtungen geltend, der Vorstand konnte sich jedoch auf andere Gemeinden und Babbinate, insbesondere auf den orthodoxen badischen Oberrai, dessen Synagogen- und Trauungsordnung von 11. Februar 1824 als Muster gedient habe, beziehen. Dem Babbinalsverweser Ellinger bekundete der Vorstand für sein freies und schönes Benehmen bei Einführung der neuen Friedhof sordnung seinen Dank. Als nach Rücktritt des Vorstands, anfangs 1830, Mitglieder des alten Vorstands und Gesinnungsgenossen derselben den Vorstand bildeten, ließen dieselben alle neuen Einrichtungen unangetastet; doch wurde der neue Segen für den Großherzog, dem die auf die Erlösung hinweisenden Stellen fehlten, wieder abgeschafft, und das Recht vorzubelen nicht mehr auf die angestellten Vorsänger beschränkt. Nicht zur Ausführung kam die vom Vorsitzenden unterm 22. Juni 1831 in einem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.