Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Das Haus des Kalonymos und der Reichtum des Humbert zum Widder
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 742 (sequence 8)
- Language
- German
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742 MENO R A II heute in Deutschland völlig verschwunden ist und schon im Mitleialter sehr selten war, eben in der Zeit« die uns beschäftigt, war er an einem Ort des Mittelrheins, in einer Familie sehr häufig. Von 1209 an kommt er immer wieder bei den Herren von Schönburg über Oberwesel vor — 1210, 1213, 1218, 1253. 1254, 1256. 1261. 1263, 1264, 1265. 1266. 1268, 1286 — und er erhält sich in dieser Familie über das ganze XIV. Jahrhundert — 1331, 1340, 1345 erscheint er — um 1452 zuletzt aufzutreten11). Trotz der Seltenheil des Vornamens würde man auf ihn allein hin noch nicht die Vermutung wugen, daß Humbert zum Widder aus diesem Geschlecht stammt. Aber es weist, noch mehr darauf hin. Die Stiftlingsinschrift von Reichklaren nennt ihn ,,Humbert de Wider. . . Lilienstamm dictus'*12). Gehörte er einem Geschlecht an. in dem es einen ..Lilienstamm'* gab wie bei den Kronbergern im Taunus einen ,,Kronenstamm" und ..Flügelstamm"? In der Tat, die Schönburger zerfallen in zwei Linien: die mit dem ..Lilienrad** und die mit den ..Schilden*'. Die Wahrscheinlichkeit wächst. Sie wächst weiter, wenn wir erfahren, daI3 die Schönburger vor 1250 für den Verzicht auf die Vogtei über Oberwesel 300 Mark Silbers erhielten13). Nun wird auch verständlich, warum Rudolf von Habsburg ihm gerade in Oberwesel die 50 Mark verleiht! Die Schönburger sind damals auch in Oberwesel selbst begütert, gehören zu den Patriziern und nehmen am Stadtregiment Anteil. Nun aber gravitiert der Platz damals ganz nach Mainz. Er ist unter den ersten, die sich dem rheinischen Städtebund anschließen. Ist das etwa das Werk Humberts zum Widder, des mit seinem Anteil an den 300 Mark nach Mainz ausgewanderten Schönburgers, der dort durch seine Heirat festen Fuß gefaßt hatte und in der neuen Heimat ebenfalls ins Stadtregiment gekommen war wie die Familie in der Heimat? Hier hätten wir eine Erklärung für das große politische Ansehen, das er Zeit seines Lebens genießt, insbesondere auch seines Ansehens bei Rudolf von Habsburg. Auch warum er die Heimat verlassen hat, läßt sich vermuten: die Schönburger waren eine sehr zahlreiche Familie. Schon 1266 sind sie in nicht weniger als fünf verschiedene Zweige gespalten, in allen Oberweseler Urkunden fast treten sie unter den Zeugen gleich scharenweise auf. Da ist es versländlich, wenn ein begabter und ehrgeiziger Sproß nach dem Mittelpunkt des Gebietes zieht und sich dort eine Existenz gründet, die er, vom Glück begünstigt, unter geschickter Ausnutzung einer glänzenden Konjunktur rasch zu einer einzigartigen materiell und moralisch gleich angesehenen Stellung erweitert, die ihm Ansehen und Fürstengunst einträgt und ihn schließlich zu jener wahrhaft fürstlichen Stiftung des Jahres 1272 befähigt. Seitdem steht er in der ersten Reihe. 1275 gehört er einem Schiedsgericht an, in dem neben ihm und dem Schultheiß von Mainz Eberhard von Katzenelnbogen und Reinhart von Hanau sitzen. 1281, 1282 und 1291 finden wir ihn wieder in dieser Funktion. Wie 1275 erscheint er 1291 in hochadliger Gesellschaft, der Gegenstand der Schiedsgerichte aber ist in allen Fällen von ungewöhnlicher Redeutting. Und das spricht: wieder für unsere