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Menorah · 1927-12-01 · Heft 12 (Dezember 1927) · p. Seite 741

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 12 (Dezember 1927)
Article
Das Haus des Kalonymos und der Reichtum des Humbert zum Widder
Date
1927-12-01
Page
Seite 741 (sequence 7)
Language
German
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HAUS DES KALONYMOS 741 heiratet. Schrohe meint nun, daß ihm zunächst seine kaufmännischen Talente zu seinem unermeßlichen Reichtum verhallen. Humhert besaß nachweislich „Apotheken" und Schrohe folgert daraus mit Hecht, daß er einen Handel mit Spezereien und feinen Gewürzen betrieb, der ihn vermutlich sogar in unmittelbare Berührung mit dem Orient brachte. Aber selbst bei der größten kaufmännischen Tüchtigkeit, dürfte es kaum möglich sein, in 23 Jahren (1249 bis 1272) einen so unermeßlichen Reichtum zusammenzutragen. Wir wissen heute genug von der Entstellung solcher Riesen vermögen, um uns zu sagen, daß hier der kaufmannischen Tüchtigkeil eine ungewöhnlich günstige Konjunktur, besondere Umstände zu Hilfe gekommen sein müssen. Im XIII. Jahrhundert hätte das etwa die Entdeckung von Gold- oder Silbervorkommen auf dem Grund und Roden Humberts sein können. Aber davon wüßten wir. Könnte eine Hochkonjunktur im Gewürzhandel ihm zustatten gekommen sein? Sicher hat sich durch die Kreuzzüge der Orienthandel mächtig belebt, aber der Mainzer Patrizier hatte weder ein Monopol, noch konnte er konkurrenzlos arbeiten. Aber gerade im Gewürzhandel mit dem Orient hatte er Konkurrenz, und zwar die der — Juden1"). Die waren damals freilich von Verfolgern bedroht, viele verließen die ungastlich gewordene1 Stadt. Über ihren herrenlos gewordenen Grundbesitz gerieten alsbald Stadt und Erzbischof hart aneinander. Ihr Streit währte bis 1294, bis dahin war die Lage ungeklärt. Wer damals „liquid" war. Verbindungen hatte und Einfluß, der konnte schnell und sehr reich werden. (Wir selbst haben ja in der Inflation und Deflation derlei beobachten können, auch in Mainz.) in früheren Zeilen war dns eine der wenigen großen Konjunklurmöglichkeilen. die es überhaupt gab. Und wir kennen einen Fall der Ausnutzung einer solchen sehr genau: Wallenslein hat die Grundlage zu seinem Aufstieg dadurch gelegt, daß er mit dein Vermögen seiner brau die konfiszierten Güter der böhmischen Rebellen erwarb und so einer der größten Kapitalisten seiner Zeit wurde, der sich den stets um Geld verlegenen Kaiser durch ansehnliche Darlehen verpflichten konnte. Sein Aufstieg liegt im hellen Licht der Geschichte. Sollte er seinerseits nicht ein helles Licht auf die dunkle Geschichte des überraschenden Aufstiegs des Hiunberl zum Widder werfen können? Jedenfalls linden wir ihn 1272 im Resilz von Grundslücken der vertriebenen oder geflohenen Juden. Und wir wissen, daß er wie Wallenstein eine Frau aus vermögendem Geschlecht geheiratet halte. Wallenstein war ein einfacher, wenig begüterter Edelmann gewesen, war Humbert von ähnlicher Herkunft? Ganz von unten herauf ist er kaum gekommen, nie hätte er sonst diese Heirat machen können. Woher aber stammt er? War er überhaupt Mainzer oder kam er von auswärts? Ein Anhaltspunkt, ein schwacher freilich nur, bietet, sich: der merkwürdige Vorname Humhert. Er war in Deutschland nie sehr verbreitet, während Italien ihn bis in unsere Tage in der Form Umberto als ein merkwürdiges Überbleibsel aus der Zeit der germanischen Einwanderung in der Yölkerwanderungszeit bewahrt hat. Aber wenn dieser Name

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