Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Das Haus des Kalonymos und der Reichtum des Humbert zum Widder
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 740 (sequence 6)
- Language
- German
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740 MENORAH Schneiders, daß der vornehme Wohnbau im Judenvierlel, von dessen Pracht das allein erhaltene Fensler noch heute Zeugnis ablegt, ihr Besitztum gewesen sei, hat somit alle Wahrscheinlichkeit für sich. Nur dann ist der merkwürdige Schmuck des Fensterpfeilerchens zu verstehen: der Hausbesitzer erscheint Hille heischend vor dem kaiserlichen Gönner. Sehrohe meinte nun7), das Fenster hätte einst das Elternhaus des Mumbert zum Widder geziert, des Mannes, der 1272 im Besitz dieses Grundstücks darauf Kirche und Kloster von Reichenklaren errichtet, des Mannes, der sich der besonderen Gunst Rudolfs von Habsburg erfreut, wie einst die Kalonymiden derjenigen der Ottonen. Daß das Fenster wesentlich älter ist, haben wir oben gesehen. Als väterliches Erbe hat Humbert das Haus kaum überkommen. Das machen Schrohes eigene Ausführungen durchaus unwahrscheinlich; denn er muß selbst feststellen, daß Humberts Familie vor ihm in der Mainzer Geschichte nicht genannt wird. Die Fragen bleiben bei Schrohe ungelöst, wo er herstammt, wie er zu seinem märchenhaften Reichtum kommt, wie zu der kaiserlichen Gunst. Auch die andere Frage, wie sich Humberts Stellung als Frankfurter Senator mit seiner Rolle in Mainz verträgt, bleibt olTen. Lfas Hauptproblem ist der Reichtum des Mannes. Wir haben ihn oben märchenhaft genannt. Das ist er gewesen. Man muß sich nur einmal vergegenwärtigen, was das heißt, daß Humbert Kloster und Kirche von Reichklaren auf seinem Grund und Boden ,,völlig erbaut" hat. Welche Schwierigkeiten machte die Finanzierung von Kirchenbauten im Mittelalter gewöhnlich! Langsam fließen die Gelder, Ablässe werden ausgeschrieben, öffentliche Stellen und Private steuern bei, Vermächtnisse werden gemacht, aus tausend Q'uellen strömt das Geld herbei. Und wie oft versiegt der Strom! Und der Bau bleibt liegen. Etwa gleichzeitig mit Reichklaren finden in Mainz die Neubauten von Sankt Stephan und St. Quintin statt, bei denen wir über diese Vorgänge ziemlich genau orientiert sind. Von 1288 bis 1330 werden Ablaßbriefe für St. Quintin ausgestellt, und die für St. Stephan reichen gar von 1257 bis 1338. Und was geschieht sonst noch, um Baugelder zu beschaffen*)! Hier aber kommt ein Mann, der erst 1249 jäh und unvermittelt aus dem Dunkel aufgetaucht ist, und erbaut auf seinem Grund und Boden Kirche und Kloster, die ein Areal bedecken, kaum kleiner als das des Domes mit seinen Stiftsgebäuden! Und er hat dabei nur einen Teil seines Vermögens aufgewendet. Denn er lebt bis zu seinem an Neujahr 1292 erfolgten Tod in unvermindertem Ansehen und Reichtum. Und wenn Rudolf von Habsburg ihm etwa 1282 „wegen geleisteter Dienste4' 50 Mark zu Oberwesel verleiht0), so ist das wohl so zu verstehen, daß Humbert vorher dem Kaiser Geld geliehen hatte. Erst 1249 taucht Humbert, freilich auch schon in gehobener Stellung, unter den Richtern der Stadt auf. Wir wissen auch, daß er in eine sehr gute Familie hineingeheiratet hatte, seine Frau stammte aus dem Geschlecht derer zum Jungen. Er hat wohl schon Vermögen er-