Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Das Haus des Kalonymos und der Reichtum des Humbert zum Widder
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 739 (sequence 5)
- Language
- German
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HAUS l)i:S KALONYMOS 739 (Gesamtansicht des Fensters am sogenannten Kalonymos-IIausc Sie erfährt nun eine nachdrückliche Unterstützung dadurch, dai.5 der Stadt (eil. in dem das Fenster zutage kam, im frühen Mittelalter talsächlich die .Judengemeinde beherbergte. Dazu aber ist dort noch 1348 ein Haus ..zum Aigel" bezeugt, was zweifellos soviel bedeutet wie ..zum Adler'*; denn ..Aigel" isl die mittelalterliche, populäre Mainzer Übertragung von „Aquila", wie sie sich auch in der Bezeichnung des Drususdenknütls als „Kigelstein" findet. Veranlaßt wurde die Bezeichnung wie dort durch einst bei den gedachten 'Bauten an hervorragender Stelle angebrachte Adlerbilder. An dein Maus des Kalonymos wäre nach Schneiders ansprechender Vermutung vielleicht noch ein anderes, auffälligeres Adlerbild angebracht gewesen. Man könnte etwa an einen Adler auf dem Giebel denken. Nach dem XIV. Jahrhunderl verschwindet die Bezeichnung. Auch das ist nicht uninteressant. 1272 wurde auf dem Gebiet, das Reiebklarenkloster errichtet, 1348 erscheint das ..Haus zum AigeT*. um dann für immer zu verschwinden. Zwei Mensehenalter hat sich die Bezeichnung noch erhallen, dann geht sie verloren. Das entspricht durchaus dem gewöhnlichen Gang der Dinge. Das Reiebklarenkloster aber wurde auf dem Gebiete errichtet, als die Kalonymiden Mainz, das ihnen über 300 Jahre eine liebe Heimat gewesen war, verlassen hatten. 917 soll Mose der Alte, Sohn des Kalonymos. aus Lucca in Toseana nach Mainz gekommen sein. Spätestens in der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts haben wohl auch die letzten Kalonymiden Mainz verlassen. In seinen letzten Jahrzehnten tauchen sie in Arles auf. wo der 1287 geborene Kalonymos ben Kalo nymos ihren alten Gelehrtenruhm erneuert. Mit ihnen verschwindet die vornehmste jüdische Familie des frühen Mittelalters aus Mainz. Sie war ausgezeichnet durch Besitz und Bildung, ausgezeichnet durch ihr besonderes Verhältnis zu dem ottonischen Kaiserhaus. Die Vermutung