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Menorah · 1927-12-01 · Heft 12 (Dezember 1927) · p. Seite 738

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 12 (Dezember 1927)
Article
Das Haus des Kalonymos und der Reichtum des Humbert zum Widder
Date
1927-12-01
Page
Seite 738 (sequence 4)
Language
German
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738 MENORA II gefallen. Jenes gliedert sich einfach in Platte und Schräge, dieses ..zeigt eine Häufung von Gliedern". Nun fand sich in dem zweifellos um 900 entstandenen St. Johann in dem Raum auf der Südostecke ein Arcosolium, ein Wandnischengrah, dessen Seitenwände dieselbe Gliederung zeigen'5), bei nahezu gleicher Proportionierung. Kautzsch meinte freilich, diese Profile wiesen auf das XII. Jahrhundert hin. Er meint nämlich, die Anlage sei nicht ursprünglich. Das aber anzunehmen liegt gar kein Grund vor. Seine eigenen Untersuchungen führen sogar zu dem naheliegenden Schluß, daß dem Arcosolium in dem nordöstlichen Nebenraum ein zweites entsprochen hat, das die Reliquien des heiligen Bonifazius barg. Der Hinweis um das um 1120 anzusetzende Wandnischengrah des Propstes Libelin aus Steinbach im Odenwald ist fehl am Platz. Es zeigt einen grundverschiedenen Aufbau und zudem könnte seine Errichtung gerade hier durch die karolingischen Arcosolien in der Krypta der Einhardsbasilika veranlaßt sein. Arcosolien sind eine Eigentümlichkeit des frühen Mittelalters und kommen meines Wissens am Mittelrhein sonst überhaupt nicht vor. Somit haben wir keine Veranlassung, das Fenster aus den Mauern des Reichklarenklosters anders zu datieren, als es Schneider getan hat. Es ist zweifellos um 1000 entstanden. Es war notwendig, diese Datierung ausführlich zu begründen; denn mit ihr steht und fällt die Deutung, die er seinem ungewöhnlichen Skulpturenschmuck gab und damit die Bezeichnung als Überrest des Wohnhauses des Kalonymos. Schon in seiner ersten Veröffentlichung über den Fund nämlich hat Schneider die Vermutung ausgesprochen, daß ,,eben an dieser Stelle die Wohnung eines so hervorragenden Geschlechtes zu vermuten (sei), das den Schutz der kaiserlichen Gönner sichtbar an der reichverzierten Schauseite ihres Familienhauses in dem Bild des schirmenden Adlers angebracht hatte. Später hat er sich dann noch bestimmter ausgedrückt, daß der kaiserliche Adler ..als Schild und Schutzmarke über dem Wohnhaus des von kaiserlicher Gunst und Dankbarkeit getragenen Besitzers1' gebraucht worden sei. „Die Kalonymiden führten offen das Zeichen ihres kaiserlichen Schutzherrn, zu dessen ./Kammer" sie zählten.** Und „die merkwürdigen Vorgänge, die um das Geschlecht der Kalonymiden spielen*" reizten ihn zu einer solchen Deutung des Bildwerkes. Denn Einerseits Retter eines Kaisers im X. Jahrhundert, anderseits seit dem Beginn des XI. Jahrhunderts in schwerer Verfolgungsnot, konnten sie ihr Familienhaus in einer allegorischen Darstellung mit der Schutzmarke ihrer kaiserlichen Herren und Gönner zu decken versucht haben''. Sie hätten also den kaiserlichen Adler in demselben Sinne verwandt wie später die Reichsstädte und Reichsdörfer, von denen ja heute noch in unserer Nachbarschaft diejenigen des ,.Ingelheimer Reiches" in ihren Wappen mit dem allen einköpfigen Reichsadler ihre einstige Rangstellung bekunden. Da die Darstellung, wie Schneider richtig betont, nicht in den geläufigen Bilderkreis des Mittelalters gehört: das Motiv weder den biblischen noch den mythologischen Stollen entnommen ist. so ist diese Deutung (1 u r chaus ei n leu ch len d.

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