Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Der alte Friedhof
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 726 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2912821-2912866-2912878-2921048--05864-2921205- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
72G MENORA Ii Von der Judenvertreibung durch Adolf II. von Nassau 1473 bis um das Jahr 1583 gab es in Mainz keine jüdische Gemeinde mehr. Nur Einzelpersonen wurde dann und wann Aufenthaltserlaubnis gegeben. Von 1588 an wird uns ziemlich lückenlos die Geschichte der wieder neuerstandenen Gemeinde übermittelt. Erst 1630 erlaubte man derselben die Anstellung eines offiziellen Rabbiners, und erst 1639 konnte eine Synagoge erbaut werden. Der alte Friedhof wurde in den 110 Jahren der Vertreibung von den wenigen Mainzer Juden und von den Bewohnern der kleinen Plätze in der Umgegend weiter benützt, scheint aber durch die Ungunst des Sandbodens und der Lage, vielleicht auch durch Zerstörungen von Bubenhänden, ein Bild der Verwüstung abgegeben zu haben. Die Grabsteine legten sich zur Seite und waren bald von der Erde verdeckt. Das ist wohl der Grund, warum sich uns aus dieser Zeit, da niemand sich um Instandhaltung kümmern konnte, keine Grabsteine erhalten haben. Vielleicht setzte man damals auch nur hölzerne Grabzeichen und wagte es nicht oder hatte keine Erlaubnis, Steindenkmale zu errichten. Meines Wissens ist der älteste Grabstein, außer dem genannten R. Simon des Großen, der an seiner Stelle geblieben und kenntlich ist, aus den Achtzigerjähren des 16. Jahrhunderts, aus der Zeit der Neugründung der Gemeinde. 23 bedeutende Gelehrte verwalteten nach Löwensleins Zusammenstellung, im Jahrbuch III der Jüdisch-literarischen Gesellschaft, bis zum Jahre 1846 das Mainzer Rabbinat. Die Mehrzahl derselben bekleidete nach ihrer Mainzer Tätigkeit Rabbinate in anderen Städten. Von den 13 bis 1687 aufgezählten Rabbinern sind nur drei in Mainz gestorben. Von den restlichen zehn haben drei das Mainzer Rabbinat mit einem anderen verlauscht. Es ist dieses ein Zeichen, daß in den ersten hundert Jahren nach der Neugründung die Gemeinde sich langsam entwickelte. Die Grabstätten auf dem alten Mainzer Friedhof ordnen sich nach Familien. Die aus Mainz stammenden Rabbiner haben ihr Grab bei den Familien gefunden. So sehen wir den Grabstein des letzten der an der altheiligen Stelle jjegrabenen Mainzer Gemeinderabbiner, des am 9ten Ab 5606 (8. August 1846) gestorbenen R. Löh b. Josef Ellingcr oder Ellingen in der Mitte des Friedhofes, umgeben von den Denksteinen seiner Verwandten. Den von auswärts hieher berufenen Führern der Gemeinde bestimmte man die Grabstätte in der Nähe derjenigen Simon des Großen, oben an dem nordwestlichen Ende des Friedhofes. Bei R. Löb b. Simon (Dr. med. Leo Simon) 1687—1714, einem geborenen Frankfurter, wird dieses nach Carmoly besonders vermerkt. Dort stehen leicht kenntlich nebenein-