Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Der alte Friedhof
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 725 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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DER ALTE FRIEDHOF 725 selbst keinen Stein, dagegen beim Niederlegen eines benachbarten Walls vier Steine, welche die Jahreszahlen 840 (1080), 854 (1094), 879 (1119), 24 (1264) zeigen. Es ist sicher, daß bis zum 15. Jahrhundert sieh der alte Friedhof bis zur Hohe der heutigen Wallstraße erstreckt hat. Im Jahre 1862 hatte die jüdische Gemeinde einen großen Teil dieses Geländes in Hinblick auf eine etwa nötig werdende Erweiterung des Friedhofes angekauft. Als eine solche durch die Schließung des Friedhofes Ende 1880 illusorisch wurde, hat man doch an keine Wiederveräußerung dieses Geländes gedacht, da man in demselben einen Teil der uralten Begräbnisstätte erkannte. Als vor einigen Jahren Zweifel laut wurden, ob denn die Gemeinde verpflichtet sei, das Erweiterungsgelände für immer festzuhalten, wurden auf demselben Grabungen vorgenommen. Man fand dabei unzweifelhaft jüdische Gräber. Um das Gelände für alle Zeiten als Teil des Friedhofes zu kennzeichnen, fanden darauf die im Laufe der Jahre aufgefundenen, verschleppten allen Grabsteine in würdiger und übersichtlicher Weise Aufstellung. Herr Rabbiner Dr. Levi, auf dessen Anregung die städtische Museumverwaltung die von ihr bisher aufbewahrten alten Grabsteine der israelitischen Gemeinde übergeben hatte, erwarb sich durch die Anlage dieses Denkmalfriedhofes ein großes Verdienst. Bei den erwähnten Grabungen hat man auch oben nach der Wallstraße zu die Fundamente des von Adolf v. Nassau 1462 zum Zeichen des Gelingens seines Überfalls auf die Stadt in Brand gesetzten jüdischen Friedhofhauses aufgefunden. Durch die jetzt erst erkannte Lage dieses Hauses auf der Höhe versteht man, wieso der Brand dieses einsam auf der höchsten Rodenerhebung vor Mainz gelegenen Gebäudes ein Signal für Adolf v. Nassaus Anhänger auf der anderen Rheinseite abgeben konnte. Bisher dachte man dabei an ein Haus an der Stelle des vielen noch bekannten ehemaligen Friedhofhauses an der Mombaclierstraße. Man verstand aber nicht recht, wieso sich diese in der Ebene gelegene Gebäulichkeit zum Fackelzeichen besonders eignen sollte. Etwas oberhalb des wiederaufgefundenen Friedhofhauses, dessen Brand am 28. Oktober 1462 das Gelingen eines verräterischen Uberfalls über den Rhein hin verkündete, befand sich der „Judenbrunnen", dessen Stelle heute der Hydrant an der Wallstraße gegenüber dem früheren Gansenheimer Tor einnimmt. Dieser „Judenbrunnen" kommt vielfach in alten Grundstückbeschreibungen vor, er hat seinen Namen vom Gebrauch des Händewaschens beim Verlassen des Friedhofes.