Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Der alte Friedhof
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 727 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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DER ALTE FRIEDHOF 727 ander die Denksteine dieses R. Löb b. Simon, des R. Mosche Charit" aus der Prager Familie Brandeis, 1733—1767, und des R. David (Tewcle), Scheuer aus Frankfurt (früher Rabbiner in Bamberg), 1768—1782. Wie die Inschriften besagen, sind diese drei Grabsteine erneuert. Die beiden ersteren wurde 1863 von den Mitgliedern der Chewra Kadischa errichtet, der von R. David Scheuer wohl von seinen Nachkommen. Die Inschrift sagt nicht, wer ihn neu aufgestellt. R. Hirz Scheuer 1799—1810 und 1814—1822, hat natürlich sein Grab bei dem seines Vaters, R. David, gefunden. Neben ihm findet sich das Grab seines vor ihm früh verstorbenen Schwiegersohnes, R. Jona Bondi, aus Dresden, und im nahen Umkreis die Gräber seines Sohnes Baruch und seiner Tochter Bela sowie die von deren Kindern und sonstigen Farn ilienan gehöri gen. Am Anfang des XIX. Jahrhunderts, 1803, drohte schon die Schließung des alten Friedhofes. Der französische Präfekt Andre halte die Verlegung aller Friedhöfe nach der Stelle in der Nähe des Dorfes Zahlbach, wo sie sich heute noch befinden, angeordnet. Auch der jüdische Friedhof sollte dort seinen Platz haben. Hundert jüdische Leichen mußten in dieser neuen Anlage bestattet werden. Man rastete und ruhte jedoch nicht, bis man die Erlaubnis erhielt, die altheilige Gräberstätte an der Monibacherstraße wieder in Benützung nehmen zu dürfen und die auf dem neuen Friedhof Begrabenen zu exhumieren, um sie zu den Gräbern ihrer Väter zu bringen. Der damalige Bischof Colmar von Mainz sei dankbar erwähnt, denn er hat das Ansuchen der Juden talkräftig und mit lebhafter Teilnahme unterstützt. Wie ein Wunder erschien es, als 1805, bei einem Aufenthalt Napoleons in Mainz, vom französischen Kaiser persönlich die heißersehnte Erlaubnis erteilt wurde. Die am Zahlbacher Weg, Juni 1803 bis Juli 1805, Beerdigten wurden von der Chewra Kadischa nach dem alten Friedhof überführt. Ein breiter Stein auf den Gräbern der Transferierten erzählt von diesen denkwürdigen Geschehnissen. Im städtischen Archiv sind die Akten über die Verhandlungen erhallen. An diesen Gräbern verrichten heute noch die Mitglieder der Chewra an ihrem Fasttage, am 29. Tebet, ihre Gebete. Nach dem Gesagten kann man sich eine Vorstellung von dem Schmerze der Mainzer Juden machen, als gelegentlich der Stadterweiterung in den Siebziger jähren des vorigen Jahrhundeiis nach dem damals im linksrheinischen Hessen noch geltenden französischen Gesetze die Schließung der altheiligen Gräberstätte verfügt werden mußte. Da gegen die gesetzliche Bestimmung nicht angekämpft werden konnte,