Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Der alte Friedhof
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 722 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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722 MENORAH Flächeninhalts, wurde den Juden einmal genommen. Gegen die Annahme,, daß dies durch Adolf IL von Nassau geschah, gelegentlich seiner Judenvertreibung 1473, sprechen gewichtige Bedenken. Durch eine Beschwerde des Kurfürsten Dieter von Erbach im Jahre 1443 wegen der Brandscliatzung und Vertreibung der Juden 1438 und „weil sie die Grabsteine vom Judenfriedhof genommen, diesen zu einein Weingarten gemacht und die Steine zu einem Bau am Rhein verwendet hätten4', kennen wir die Tatsache, daß man nach einer nur wenige Jahre währenden Vertreibung der Juden aus unserer Stadt mit rücksichtsloser Systematik auf Veranlassung von Bürgermeister und Rat die Grabsteine abgebrochen hat. Es ist möglich, ja wahrscheinlich, daß man bei der Rückkehr der Juden 1445 den zum Weinberg gemachten größeren oberen Teil des Friedhofs nicht zurückgegeben hat, und ihnen nur den besonders sandigen unteren Teil, der zur Anlage von Weinpflanzungen durchaus ungeeignet ist, wieder zur Verfügung stellte. Der jüngste der an anderen Stellen nach und nach wieder zum Vorschein gekommenen verschleppten Steine trägt auch das Datum 1425. Das Judenhaus am Sand, das 1462 verbrannt wurde, war entweder damals gar nicht mehr im Besitz der Juden, oder man hat ihnen einen Weg zu dem Hause und dem in dessen Nähe gelegenen Judenbrunnen gelassen. Dieses ist das Wahrscheinlichere. Wir erkennen darin den scheinbar zwecklosen städtischen Weg, von dem Schaab in seiner Geschichte der Mainzer Juden, S. 36 f., berichtet, daß er sich von der Mombacher Chaussee bis zur Höhe, bis zum Judenbrunnen hinaufzog, und daß der Vorsteher Samuel Schlosser die größere Hälfte des unten 30 Schritt breiten, nach oben bis zu 2 bis 3 Schritten sich verengenden Weg 1813 angekauft habe, um den Kohanim das Herumgehen um den Friedhof zu ermöglichen. Von den damals und zu anderen Zeiten geraubten Steinen ist bisher ein kleiner Teil, 180 Steine aus vier Jahrhunderten, wieder aufgefunden worden. Auf dem oberen, früher zum Friedhof gehörigen Teil wurden wiederholt einzelne Steine, zum Teil auf Gräbern und Gebeinen stehend, ausgegraben. Wir haben Berichte über solche Auffindungen aus den Jahren 1825, 1839, 1859 und 1862. Auch vor ungefähr 30 Jahren, als die Friedhofsmauer nach Mombach zu errichtet wurde, fand man außerhalb der jetzigen Gräberstätte eine Anzahl von Steinen aus dem XIII. Jahrhundert. Die meisten der gewaltsam entfernten Grabdenkmäler traten beim Niederlegen alter Festungswerke zutage. Die reichsten und bedeutungsvollsten Funde machte man 1859 beim Niederlegen einer Batterie und 1922, als man beim Aufdecken mittel-